Ein Radiowecker für Hacker
Der komplett mit offener Hard- und Software entwickelte Radiowecker Chumby sorgt schon Monate vor seinem Verkaufsstart für Aufsehen. Die Nutzer sollen Chumby selbst erweitern und neue Anwendungsmöglichkeiten für das drahtlos mit dem Internet verbundene Gerät finden.
Ein 350 Megahertz-Prozessor, ein neun Zoll großes Touch-Screen-Display, Wifi, ein paar Megabyte RAM: Wenn im Sommer dieses Jahres in den USA ein neues Internet-Endgerät den Handel erreichen wird, dann werden die Hardware-Spezifikationen des Geräts wohl die wenigsten Kunden zum Kauf verleiten.
Offene Hard- und Software
Doch trotz der eher durchschnittlichen Hardware-Ausstattung besitzt Chumby schon Monate vor seinem öffentlichen Verkaufsdatum einen wachsenden Fanclub. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass Chumbys Macher das Gerät komplett mit offener Hard- und Software entwickelt haben.
Chumbys Chefentwickler Andrew "Bunnie" Huang meint dazu: "Normalerweise bemüht sich ein Hersteller mit allen Kräften darum, dass sein Produkt nur für die vorab festgelegten Anwendungsmöglichkeiten genutzt wird." Chumby will seine Nutzer dagegen ganz offen dazu ermuntern, das Gerät selbst zu erweitern. "Es gibt eine Menge Erfinder, die dazu etwas beisteuern können", so Huang.
Das Chumby-Gerät soll ab dem Frühsommer in den USA erhältlich sein.
Info-Updates per Flash-Widgets
Chumby bietet seinen Nutzern zahlreiche Flash-Widgets, mit denen sie aktuelle Informationen aus dem Netz beziehen können. So gibt es Widgets für Schlagzeilen von Google News, Slashdot und Digg.com.
Auch Web-Radios und Flickr-Bilder lassen sich mit dem Gerät abfragen. „Wir nennen dies 'das Web schauen'“, erklärt Huang. Programmierer können zudem eigene Flash-Widgets erstellen, die dann über den Chumby-Server verbreitet werden.
Chumbys Chefentwickler Andrew Huang ist in Technik-Kreisen als Autor des Buchs „Hacking the Xbox“. Sein Verlag brachte das Werk wegen rechtlicher Bedenken anfangs nicht auf den Markt. 2003 erschien das Buch schließlich bei einem anderen Verlag.
Gebühren für Premium-Inhalte
Chumbys Nutzer sollen die meisten Widgets kostenlos nutzen können. Lediglich für Premium-Inhalte will man monatliche Abo-Beträge einfordern. Mit der Hardware will man kein Geld verdienen.
So soll das Gerät lediglich 150 Dollar kosten. Diese Kombination aus billiger Hardware und quelloffener Software sei ein einmaliges Experiment, so Huang. „Wir sind Pioniere eines neuen Geschäftsmodells.“
Mehr dazu am Sonntag um 22:30 Uhr in "matrix" auf Ö1.
Ab Sonntag 22:30 Uhr steht "matrix - Computer & Neue Medien" für Ö1-Club-Mitglieder auch zum Download bereit.
(Sonja Bettel)
