High-Tech-WC holt Hilfe bei Stürzen
In Japan gehören High-Tech-Toiletten, die ihren Nutzern jeden Komfort bieten, zum Standard. Die neueste Generation soll nun bei Stürzen Alarm schlagen können.
Die Nachfrage nach den sicheren WCs dürfte bei der schnell alternden Gesellschaft des Landes erheblich sein. Alte Menschen oder Behinderte bleiben mit dem neuen System im Falle eines Sturzes oder anderer Probleme nicht allein und hilflos in der Toilettenkabine zurück.
Voraussetzung: Keine Kameras
Bei der Entwicklung des neuen Sicherheitssystems "haben wir den Einbau von Kameras von Anfang an ausgeschlossen, das ist sicher verständlich", erläutert Tomakazu Ito, Forscher in der Entwicklungsabteilung des japanischen Sanitärgiganten Toto.
Die Herausforderung habe darin bestanden, "ein System zu finden, das eine anormale menschliche Position wahrnehmen kann, ohne die Privatsphäre der Person zu verletzen oder die Toilette ästhetisch zu verunstalten", berichtet er.
Im Rahmen eines staatlich finanzierten Forschungsprojekts zur Nano-Technologie entwickelten Ito und seine Kollegen in jahrelanger Arbeit praktisch unsichtbare Empfänger, die in der Toilettenwand verborgen werden.
Luxuriöse Ausstattung ist Standard
Beheizte Klodeckel und -brillen, die automatisch hochklappen, desodorierende Fliesen, ein reinigender Wasser-Jet-Strahl oder gar die Messung von Gewicht, Fettgehalt, Blutdruck, Herzschlag, Blut-, Zucker- und Eiweißgehalt auf dem stillen Örtchen - was Europäern oft exotisch vorkommt, gehört in Japan zum Standard.
Antennen registrieren Luftvibrationen
Die Prototypen der neuen Geräte sind hauchdünne Keramikschichten, die wie superflache Antennen an den Wänden angebracht werden.
Sie erfassen die Luftvibrationen, die durch die Bewegung eines Menschen in der Kabine entstehen. Die empfangenen Signale werden an einen Computer weitergeleitet, der sie analysiert.
"Wenn das System eine Vibration nahe der Decke aufnimmt, wird es daraus ableiten, dass jemand auf dem Becken steht. Wenn jemand neben der Toilette auf dem Boden liegt, wird es einen Sturz melden", erklärt Ito.
Die Detektoren können den gesamten Innenraum einer Toilettenkabine überwachen, ohne diesen direkt abzubilden. Der Prototyp des Melders bildet die Bewegungsinformationen noch auf einem PC-Bildschirm ab.
Alarm bei ungewöhnlichen Bewegungen
Doch das fertige Produkt soll eine Verbindung mit einem Alarmsystem ermöglichen, das bei ungewöhnlichen Bewegungen auf der Toilette losschlägt.
"Ein ähnliches System gibt es schon in Herrentoiletten. Wenn der Mann weggeht, wird die Spülung automatisch betätigt", sagt Ito.
Einen Nachteil hat die Überwachung auf Nano-Niveau allerdings noch - die Produktionskosten sind zu hoch.
(AFP)
