Steve Ballmer lässt sich über Google aus

16.03.2007

Microsoft-Chef Steve Ballmer hat sich am Donnerstag bei einer Präsentation vor Studenten der Stanford University über das Geschäftsmodell seines Konkurrenten Google ausgelassen: Die Wachstumspläne des Internet-Konzerns nannte er "irrsinnig".

Während Google sich nur auf die werbeunterstützte Suche verlasse, habe sich Microsoft im Laufe der Jahre immer wieder neu erfunden.

Ein "echtes" Unternehmen erfindet seiner Meinung nach etwas, baut ein Geschäftsmodell darauf auf und wiederholt diesen Zyklus dann immer wieder. "Google ist noch nicht über die werbefinanzierte Suche hinausgekommen", so Ballmer. Google sei derzeit noch daran, seine Idee zu "melken". "Das haben wir in den 90ern gemacht oder sagen wir in den 80ern und 90ern", witzelte Ballmer.

Wachstumspläne "irrsinnig"

Googles Wachstumspläne bezeichnete Ballmer schlicht als "irrsinnig". "Sie versuchen, das Geschäft binnen eines Jahres zu verdoppeln. Das ist meiner Meinung nach Irrsinn", so der Kommentar des Microsoft-Managers. Das bedeute aber nicht, dass er ihnen das Erreichen dieses Ziels nicht zutraue.

Die Managementstrukturen bei Microsoft seien laut Ballmer wohl überlegt. Er sei sich nicht sicher, ob es sich bewähre, "dass eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Leuten ihr eigenes Ding durchzieht". Ballmer spielte damit darauf an, dass Google seinen Entwicklern erlaube, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit eigenen Projekten zu widmen.

Microsofts Technologiechef Ray Ozzie gab vor kurzem zu, dass Microsoft das Potenzial von Werbung im Internet erst durch den Erfolg der werbefinanzierten Suchmaschine Google erkannt habe. "Das war ein Weckruf innerhalb von Microsoft", so Ozzie auf einer Investorenkonferenz.

"Süße" Nebenprojekte

Googles zahlreiche Projekte abseits der Suche bezeichnete er hingegen belächelnd als "süß". "Aber wir machen auch einige 'süße' Dinge", erklärte Ballmer.

Microsoft habe sich zuletzt etwa in der Robotik engagiert. Microsoft habe mit Betriebssystemen angefangen und seine Geschäftsfelder kontinuierlich ausgebaut - etwa ins Web und in die Unterhaltungselektronik.

YouTube "kein völlig neues Geschäft"

Auf die YouTube-Übernahme angesprochen gab Ballmer zu, dass dieser Schritt einen neuen unternehmerischen Zyklus für Google bedeuten könnte. "Wir werden sehen, wie es läuft", so Ballmer, "auch wenn es ein verwandtes Geschäft ist, kein völlig neues."

Medienberichten zufolge war Google-Chef Eric Schmidt, der an der Uni auch Kurse hält, während des Vortrags in der Kantine der Stanford University zum Mittagessen.

YouTube hat Google bisher erst wenig eingebracht. Der US-Medienkonzern Viacom klagt den YouTube-Eigentümer Google auf eine Milliarde Dollar Schadenersatz wegen Urheberrechtsverletzungen und bezeichnet das Geschäftsmodell der Online-Videoplattform YouTube als "illegal".

(futurezone | Cnet)