17.08.2003

MATRIX-FORUM

Der interaktive Popstar

Im Video zu "Something Beautiful", der aktuellen Single von Robbie Williams, ist Robbie himself bis auf einen kurzen Auftritt am Schluss gar nicht zu sehen. Das Video stellt statt dessen die Fans von Robbie Williams in den Mittelpunkt und zeigt, wie sie an einem Robbie Williams-Doppelgänger-Wettbewerb teilnehmen - ein ironischer Seitenhieb auf Fernsehformate wie "Pop Idol", "Deutschland sucht den Superstar" oder "Starmania".

Casting und Ausscheidungsverfahren bei der Wahl des besten Robbie Williams-Nachahmers verliefen dabei exakt nach dem Vorbild der genannten Sendungen. Übrig blieben schließlich drei Finalisten, die sich am Ende des Videos dem Publikum zur Abstimmung stellten.

Das Konzept "i-Video"

Entwickelt wurde das Konzept zu dem interaktiven Video von Eric Winbolt, dem New Media-Chef der Plattenfirma EMI in London. Das Video zu "Something Beautiful" von Robbie Williams war allerdings nicht das erste interaktive Video. Bereits im Frühjahr hat Eric Winbolt ein sogenanntes "i-Video" für die englische Rockband "Hell is for Heroes" produzieren lassen.

Wer Zugang zu den digitalen Kanälen von MTV und SKY hatte, konnte während das Video lief etwa das Passwort für eine spezielle "Hell is for Heroes"-Website sowie eine SMS-Nummer in Erfahrung bringen, über die man sich ein "Hell is for Heroes"-Logo auf sein Handy schicken lassen konnte. Darüber hinaus konnte man den Songtext lesen und eine handsignierte Gitarre gewinnen.

Lehren aus dem Napster-Desaster

Dass große Plattenfirmen wie EMI jetzt so intensiv mit neuen Technologien und neuen Medien wie interaktivem Digitalfernsehen experimentieren, ist einfach erklärt: Man möchte nicht den Fehler wiederholen und wie bei Napster von der technischen Entwicklung überrascht und überrannt werden.

Für Eric Winbolt ist es wichtig, dass die Musikindustrie in Hinkunft nicht mehr nur reaktiv, sondern proaktiv ist und die Entwicklung und Anwendung der neuen Technologien beeinflusst und kreativ mitgestaltet.