17.08.2003

POPKOMM

"Raubkopierer ruinieren Hip-Hop-Labels"

Das massenhafte Raubkopieren von Musik zerstört nach Ansicht des Hamburger Rappers Sammy Deluxe die Chancen für Nachwuchskünstler. "Die kriegen keinen Plattendeal, weil in den Firmen kein Geld mehr für sie da ist", sagte er am Samstag auf der Musikmesse Popkomm in Köln.

Er spüre die Krise mit seinem eigenen HipHop-Label Eimsbush ganz extrem. "Wir haben sieben, acht Leuten feste Jobs geboten, jetzt können wir uns noch maximal zwei leisten."

Sein Gesangspartner Afrob ergänzte: "Wenn die Labels in Bands investieren und das Geld nicht wieder reinkriegen, wird in Zukunft eben weniger investiert - und die Musikszene verarmt

"Ohne Geld ka HipHop"

Musik gebe es derzeit all zu oft umsonst, ob im Internet oder per CD-Brennerei. "Es ist wichtig, dass einfach Gesetze gemacht werden, die uns vor Diebstahl schützen", sagte Deluxe. Die Kids müssten verstehen, dass ihre Idole mit dem Musikmachen ihren Lebensunterhalt verdienen - wenn es aber kein Geld mehr gebe, dann gebe es auch keine Musik mehr.

Vielfach wüssten Jugendliche aber gar nicht, dass die Musikindustrie, die seit Jahren Umsatzverluste erleidet, in der Krise steckt. "Die werden es erst kapieren, wenn es keine Künstler mehr gibt."

Andrew Fletcher, Mitglied der Synthie-Pop-Band Depeche Mode, bezeichnete das Internet hingegen am Samstag als große Chance für neue Bands. Die Künstler hätten selbst mehr Kontrolle und Einflussmöglichkeiten, wenn es um ihre Außendarstellung und die Verbreitung ihrer Musik gehe. Damit setzte Fletcher ein Gegengewicht zu den Aussagen von Vertretern der Tonträgerindustrie während der Popkomm, die dem Internet die Schuld für die Umsatzeinbrüche der vergangenen Jahre gaben.