Was entspricht schon der Norm?

11.03.2007

"Normen sind wichtig - das erkennen zumindest all diejenigen, die im Bereich Telekommunikation aktiv sind", sagt Knut Blind vom Institut für innovative Ökonomie in Berlin. Gäbe es keine Standards, würden deren Geschäft dahindümpeln.

Schließlich sind es Normen, die dafür sorgen, dass Millionen an Geräten miteinander kommunizieren können. Doch nicht aus jeder Idee wird ein Standard und nicht aus jedem Standard ein großes Geschäft.

Das berühmteste Beispiel dafür ist der Konflikt rund um die drei Formate VHS, Beta und V2000. Hätte man sich früher auf eine gemeinsame Norm geeinigt, dann hätten sich die Wissenschaftler Zeit und die Firmen und Konsumenten Geld erspart.

Viele Arten der Norm zu entsprechen

Es gibt [mindestens] 16.077 Möglichkeiten, der Norm zu entsprechen. Auf diese Zahl ist allein das Portfolio der Internationalen Standardisierungsorganisation ISO seit seiner Gründung 1946 angewachsen.

Jeden Tag treffen sich weltweit alleine zehn bis 15 Expertengruppen von ISO und beraten über weitere Normen. Weiters kann man bei der ETSI mitreden, beim europäischen Komitee für Normung [CEN] sowie bei Cenelec.

Daneben gibt es nationale Gremien, wie zum Beispiel das ON in Wien, einem Verein, der sich im vollen Wortlaut "Österreichisches Dienstleistungszentrum für Normen, Regelwerke, Zertifizierung und Recht der Technik" nennt.

Auch für Normen gelten Regeln

Wenn man Geld und Zeit hat, darf eigentlich jeder an diesen Gremien teilnehmen, denn zu den "handelnden Personen" zählen Unternehmen, Wissenschaftler, Bürokraten und Konsumenten.

Im Kleingedruckten gibt es dann allerdings doch gewisse Regeln, die eingehalten werden müssen, erklärt Alan Bryden, Generalsekretär der ISO.

Wen interessiert die Norm?

Auf politischer Ebene wird die Standardisierung mit Regulierung gleichgesetzt. Das gilt als unpopulär, vor allem bei potenziellen Wählern.

Unternehmen haben das Gefühl, Standardisierung schränkt ein und fördere alles Mögliche, nur nicht die Innovation. Beteiligung an derartigen Sitzungen sei sogar schädlich für die Karriere, ließ eine Managerin von Infineon einst verlauten.

Ganz anders sieht man das in Asien. Dort gibt es eigene Studiengänge für den Bereich Standardisierung. Normen versteht man dort als strategisches Mittel, um sich am Weltmarkt besser zu positionieren.

Europa und die Normen

In Europa hat die Normierung den Geruch von Fadheit. Der Altersdurchschnitt in den Gremien, so Knut Blind, liege bei 50 bis 60 Jahren. In den nächsten zehn Jahren werden laut seiner Prognose altersbedingt zwei Drittel des Personals aus den Gremien ausscheiden - und derzeit auch nicht mehr nach besetzt.

Auch für Forscher bringt die Teilnahme an Normierungsgremien derzeit nicht viel. Sie müssen sich entscheiden, ob sie sich anonym bei der Normierung engagieren, unter ihrem Namen ein Patent anmelden oder eine wissenschaftliche Publikation veröffentlichen.

Mehr dazu in matrix, Ö1, 22.30 Uhr

Die Antworten auf diese und weitere Fragen rund um Normierungen und Standards in der IT-Welt, heute um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin matrix.

(Mariann Unterluggauer)