Ein deutsches Campingplatz-Idyll
Altlandsberg bei Berlin: ein Badeteich, ein zentrales Bierzelt, etwa hundert Meter lang. Caravans, Zeltkonglomerate, ein Fahnenmast - doch irgendetwas stimmt nicht an diesem deutschen Campingplatz-Idyll.
Liegt es vielleicht daran dass hier kein Bundesadler seine Schwingen breitet, sondern der Pinguin und dass statt Schwarzrotgold der Jolly Roger weht?
Der Fahnenmast entpuppt sich als Mikrowellen-Link, das Bierzelt ist ein Hackcenter und jene stattliche Wampe, die sich über dessen Bühne schiebt, gehört einem der Gründerväter der legendären Cypherpunk-Mailinglist.
Prominenz
In John Gilmores Gefolge füllt eine ganze Delegation bekannter Figuren aus der New Yorker Hackerszene wie Emmanuel Goldstein [2600.org]
eines der größten Publikumszelte auf den Chaoscamp, das nach zwei Tagen so gar nichts mehr Chaotisches hat.
Chaos Communication Camp 2003Hochbetrieb trotz Hitze
Trotz glühender Hitze herrscht täglich Hochbetrieb in beiden Konferenz-Zelten, die jeweils mehr als 100 Sitzplätze bieten.
Im Hackcenter, wo sich an Tag eins zwischen Administratoren und einer eher jüngeren Gruppe, die es mit der Anarchie etwas zu genau genommen hatte, heftige Duelle um den DHCP-Server ausgefochten wurden, herrscht seitdem Normalbetrieb.
Dass es dadurch zeitweise zu Netzausfällen kam, wurde zur Kenntnis genommen - relaxed, zumal man weiss, was jetzt nicht geht, das geht in Kürze wieder. Und so war's.
Konfiguration
Schon etwas schwieriger war es, Notebook und WLAN so zu konfigurieren, dass sich nicht drei gleich starke Radiotowers um die Lufthoheit über der jeweiligen Karte steiten.
Die Anbindung an drei verschiedene Provider hat sich bis dato jedenfalls als hilfreiche Idee erwiesen. Das Netz mag manchmal überlastet sein, aber es hält.
Mehr Fotos vom CCC [VIBE]Windhose riss Zelt mit
Am späten Samstag Nachmittag hatte sich ob der großen Hitze und Trockenheit eine Windhose gebildet, die quer über das Camp-Gelände zog. Ein Zelt wurde ausgerissen, mindestens 50 Meter in die Höhe gerissen bis es von ein paaar Schlafsäcken begleitet, hinter dem Baumhorizont verschwand.
Rege österreichische Beteiligung
Aus Österreich ist ein schwer abzuschätzendes, jedenfalls erstaunlich großes Kontingent eingefallen, das von regionalen Linux-Communities über die Usenet Regulars [VIBE] bis zur Wiener "Chaosnahen Gruppe" reicht.
Die größte Ansammlung aus AT findet sich direkt unter dem zentralen Radio-Link des Camps, der die drei Wavelan-Türme mit der Außenwelt verbindet.
Direkt daneben haben sich Tschechen angesiedelt, die früh zu Bett gehen und dann offenbar völlig unempfindlich gegen Lärm sind.
Verein für Internet-Benutzer Österreichs [VIBE]In der AT-Basisstation, wo sich allabendlich ein anders zusammengesetzter harter Kern einfindet, der sich entschlossen hat, die Nacht zum Tag zu machen, regiert nämlich ein 60-Watt-Verstärker: vor Ort zusammengelötet und ungemein stilgerecht in einer Sachertorten-Box platziert.
Verein zur Förderung Freier Software [FFS]Fortsetzung folgt ...
Mehr über die Nacht am Hackercamp erfahren sie in der Nacht auf morgen direkt aus dem Hack-Center, verfasst wie dieser Text auf einem einsamen Windows-Notebook, allein und schutzlos in einer bösen, bösen Unix-Welt.
Kurze Abkühlung bei 35 Grad im Schatten
