06.08.2003

TAUSCHBÖRSEN

P2P-Gegner warnen vor Porno

In der Auseinandersetzung um Tauschbörsen und ihre User in den USA bringen die Kontrahenten nun Pornografie als neue Argumentationsschiene.

Die Musik- und Filmindustrie warnt vor Websites mit Filesharing-Angeboten, die voll Pornografie seien und sich auf den Rechnern der User breit machen sollen. Bürgerrechtler und Internet-Service-Provider [ISP] argumentieren dagegen, dass die RIAA-Taktik, mittels Gerichtsvorladungen an User-Daten zu gelangen, auch von Pornografieanbietern und anderen, oftmals unerwünschten Anbietern genutzt werden könnte.

Die RIAA [Branchenverband der US-Musikindustrie] weist die Vorwürfe zwar als haltlos zurück, will aber ausreichend Argumente für den Vorwurf der Pornografielastigkeit der P2P-Börsen vorlegen können. Doch auch für die Argumentation der ISPs könnte sich nunmehr ein Beispiel gefunden haben.

Copyright auf Pornos

Letzte Woche hatte die Firma IO Group, die unter dem Namen Titan Media schwule Pornografie verkauft, Gerichtsvorladungen an den US-Provider Pacific Bell verschickt. Darin verlangte die Firma die Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von zumindest 59 Usern, die beschuldigt wurden, das Copyright der Firma via Tauschbörsen zu verletzen.

Nachdem sich Pacific Bell gegen die Forderung gewehrt hatte, zog Titan die Vorladungen wieder zurück. Titan wollte nach Angaben seines Anwalts einfach dasselbe versuchen, was die Musikindustrie tut: seine Werke gegen Piraterie schützen.

Pacific Bell hat Titan mittlerweile bei Gericht verklagt, um gerichtlich feststellen zu lassen, dass derartige Vorladungen illegal sind. Mit derselben Klage wehrt sich Pacific Bell auch gegen rund 140 gleichwertige Vorladungen der RIAA.

Widerstand gegen RIAA-Klagen

Seit dem neuesten Feldzug der RIAA gegen Tauschbörsen-User regt sich auch im US-Kongress mancherorts erster Unmut.

Der republikanische Senator Norm Coleman will klären lassen, ob die Kampagne der RIAA möglicherweise Datenschutzrechte verletzt.

"Es ist nicht richtig, jemandem sein Eigentum zu nehmen, das ist Diebstahl. Aber in diesem Land schneiden wir den Leuten nicht ihre Hände ab, wenn sie stehlen. Ich frage mich daher, ob die Tat die Strafe rechtfertigt", so Coleman.