Die wahren Energiekosten eines PC

NAchgefasst
06.03.2007

UNO-Experte stellt klar: Produktion eines kompletten PC ist nicht fünf Mal so energieintensiv wie die Herstellung eines Autos.

Am Wochenende berichtete die Agentur AFP unter Berufung auf die "Saarbrücker Zeitung" als Quelle, dass die Herstellung eines PC samt Monitor fünf Mal mehr Energie verbrauche als die Produktion eines Pkw. Als Quelle gab die Agentur Rüdiger Kühr an, seines Zeichens Mitarbeiter der Bonner UNO-Universität [United Nations University - UNU].

Auf Nachfrage von ORF.at stellt Kühr nun klar, dass er sowohl von der "Saarbrücker Zeitung" als auch von AFP falsch zitiert wurde und essenzielle Teile seiner Aussagen Kürzungen zum Opfer gefallen seien.

Angesprochen auf das oben beschriebene Verhältnis des Energieverbrauchs bei der Produktion von Autos und Computern meint Kühr knapp: "Das ist Quatsch." In der Version der Meldung, die er zu Gesicht bekommen habe, sei er ursprünglich richtig zitiert worden.

Da es sich in diesem Bericht um eine Vorabmeldung zu einer nicht publizierten Studie handelte und Kühr am Wochenende nicht erreichbar war, konnten die Angaben in der Meldung nicht, wie sonst üblich, unmittelbar verifiziert werden. Da sowohl die "Saarbrücker Zeitung" als auch die AFP gemeinhin verlässliche Quellen sind, wurde die Meldung zunächst auch in der Futurezone publiziert - wie auch auf zahlreichen anderen Nachrichten-Sites.

Da die Formulierung der Agenturmeldung allerdings missverständlich und unklar war, hat sich die Redaktion dazu entschieden, die Meldung am Sonntag zurückzuziehen und, sobald möglich, eine Richtigstellung zu veröffentlichen.

Die genauen Verhältnisse

Die Zahlen, auf die sich Kühr urspünglich bezog, stammen aus einer von ihm miterstellten Studie aus dem Jahr 2004.

Dieser Studie zufolge braucht man für die Herstellung eines Computers samt 17-Zoll-Röhrenmonitor 240 Liter fossile Brennstoffe. Geht man - vereinfacht - von einem Gesamtgewicht des Systems [inklusive Röhrenmonitor] von rund 24 Kilo aus, ist das das Zehnfache seines Eigengewichts.

Bei der Herstellung eines Autos oder eines Kühlschranks wird laut derselben Studie das Ein- bis Zweifache des Eigengewichts an fossilen Brennstoffen verbraucht.

Laut Kühr ist der Irrtum in der Agenturmeldung auf diesen Vergleich zurückzuführen.

Zusätzlich werden laut der UNU-Publikation "Computer and the Environment" [2004, Rüdiger Kühr] rund 22 kg Chemikalien und 1.500 kg Wasser benötigt - in Summe also rund 1,9 Tonnen Rohstoffe.

Aktuelle Zahlen

Allerdings distanziert sich Kühr bei genauer Nachfrage mittlerweile auch von diesen Zahlen.

Die Datensammlung für die 2004 publizierte Studie sei im Jahr 2003 durchgeführt worden [was sich auch daran zeigt, dass von einem Röhrenmonitor ausgegangen wird] und daher nicht mehr aktuell.

Um die tatsächlichen Verhältnisse im Energieverbrauch bei der Produktion von Autos und Computern aufzuzeigen, verweist Kühr auf neuere Zahlen: "Daimler Benz gibt den Energiebedarf für die Herstellung seiner C-Klasse mit 113.000 Megajoule an."

Für die Herstellung eines herkömmlichen Desktop-Computers würden dagegen, so Kühr, 3.500 Megajoule an Energie in der Produktion benötigt, für Notebooks ca. 2.500 Megajoule.

"Da die Nutzungsphase von Computern ebenso wie jene von Handys recht kurz ist, spielt die Energielast aus der Produktion eine umso größere Bedeutung", fügte Kühr hinzu.

Die von der Agenturmeldung angesprochene Studie, die am Mittwoch zur Präsentation von STEP vorgestellt hätte werden sollen, gebe es nicht, stellte Kühr weiters klar. Es existierten zwar Vorstudien, auf denen die aktuellen Erkenntnisse und Arbeiten beruhten, diese würden allerdings nicht publiziert.