"IT-System funktioniert tadellos"
Das Innenministerium weist die Kritik der Wiener Polizeigewerkschaft am neuen Polizei-Computersystem PAD zurück, räumt jedoch Probleme nach Software-Updates in der Hauptarbeitszeit ein. Die Gewerkschaft spricht weiterhin von einem "EDV-Rohrkrepierer".
Für einen "sofortigen Stopp" des Computersystems, wie ihn die Personalvertretung der Wiener Polizei am Sonntag forderte, gebe es keine Notwendigkeit, sagte Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, am Montag gegenüber ORF.at.
Das System, das seit Anfang des Jahres auch in Wien im Einsatz ist, funktioniere tadellos, sagte Gollia und verwies auf zahlreiche positive Rückmeldungen aus den Bundesländern.
"EDV-Rohrkrepierer"
Die Polizeigewerkschaft hält unterdessen an ihrer Kritik fest. Sie forderte am Montag "Aufklärung darüber, wer für diesen EDV-Rohrkrepierer verantwortlich ist, und über die Höhe der Kosten."
Das System sei zu kompliziert, verlangsame die Arbeit der Polizei und müsse daher "völlig neu konzipiert" werden, sagte Harald Segall, der Vorsitzende des Fachausschusses der Personalvertretung der Wiener Polizei.
Eigenentwicklung des Innnenministeriums
PAD, das eine Eigentwicklung des Innenministeriums ist, wurde nach ersten Tests im Jahr 2004 schrittweise in den Bundesländern eingeführt.
Die Entwicklungskosten des Systems ließen sich schwer quantifizieren, sagte Gollina, da es von einer Projektgruppe im Innenministerium entwickelt wurde: "Das müssten wir erst auf Mannstunden herunterrechnen."
PAD [Protokollieren, Anzeigen, Daten]
Das Computersystem PAD bietet Polizisten die Möglichkeit, sich über eine Eingabemaske mit verschiedenen Anwendungen zu verbinden. Einmal eingegebene Grunddatensätze bleiben gespeichert.
So kann etwa bei der Eingabe einer Anzeige wegen Körperverletzung über das System auch das Strafregister abgefragt werden. Früher mussten die Beamten die bereits vorhandenen Grunddaten dazu neuerlich eingeben, erläuterte Gollia.
Das System sollte aber auch den Bürgern Verbesserungen bieten. Anzeigenbestätigungen werden nun von den Polizisten ausgefolgt. Früher wurden sie von Polizisten aufgenommen und danach in der Verwaltung protokolliert und bestätigt. Mit dem System falle ein Arbeitsschritt weg, sagte Gollia.
Abstürze nach Software-Updates
Wie bei jedem neuen System gebe es natürlich Anlaufschwierigkeiten, räumte Gollia ein. Die Probleme in Wien seien sicherlich auch darauf zurückzuführen.
Daneben wurden in den vergangenen Wochen auch Software-Updates während der Hauptarbeitszeit durchgeführt, die das System verlangsamt und auch zu Abstürzen geführt hätten, räumte Gollia ein. Diese würden aber mittlerweile nur noch in den Nachtstunden durchgeführt, so der Ministeriumssprecher.
Nachschulungen geplant
Auch Kritik an der Menüführung des Systems wies Gollia zurück. Neben der Auswahl aus Menüpunkten sei auch die Eingabe in ein Freifeld möglich.
Laut Gollia läuft auch die Schulungsphase noch. Im Schnitt werde jeder Polizist acht Stunden auf das System eingeschult. Daneben seien auch Nachschulungen geplant.
