Funkchips, Reisepässe und Warnungen
Die geplante Einführung von Funkchips in europäischen Pässen, die biometrische Merkmale des Trägers enthalten sollen, schlägt hohe Wellen mitten in das Sommerloch.
Gestern warnte der designierte deutsche Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, in der "Bild am Sonntag" vor einer heimlichen Überwachung der Bürger. Er forderte unter anderem, die Daten aus dem Pass-Chip nicht in einer zentralen Datenbank zu speichern.
Aus dem deutschen Innenministeriums war darufhin zu hören, derzeit werde noch geprüft, welche Daten die größte Fälschungssicherheit bieten würden. Das kann nur bedeuten, dass man in Deutschland überlegt, zusätzlich zum elektronischen Bild weitere biometrische Daten wie Retina-Scans oder Fingerabdrücke zu integrieren.
Schielen auf Passbild wird verbotenDie ISO/IEC und ICAO Standards
Der beim International Standards Institute zusammen mit der ICAO [International Civil Airlines Organzization] entwickelte Standard-Entwurf sieht die Möglichkeit vor, jeweils in nationalem Rahmen die zusätzliche Integration von Biometriedaten wie Retina-Scans oder Fingerabdrücken vorzuschreiben.
Dass der Funkchip mit bis zu 300 Dpi aufgelöste JPEG 2000 Bilder des Passinhabers enthalten wird, steht mittlerweile fest.
Das holländische Innenministerium bestätigte dies auf Anfrage von Maurice Wessling, dem Vorsitzenden der europäischen Cyber Liberties Dachverband European Digital Rights [EDRi].
Die biometrischen Merkmale werden erst beim Einlesen des Bilds aus diesem herausgerechnet und können dann mit Namen, Adresse, Telefon, Gesundheitsdaten, Flugbewegungen usw. verknüpft und in Datenbanken abgelegt werden.
European Digital RightsRFID Lesegerät unter Linux
Eine der bekannsten Figuren im internationalen Free Software Movement [GNU/Linmux], Loic Dachary, hat bekannt gegeben, dass er ein Programm zum Auslesen und Verändern von Funkchips in Arbeit habe.
Es werde, so Dachary, zu ZDNet-France unter der General Public License [GPL] frei gegeben, um zu verhindern, dass für die RFID-Reader eine Software zum Einsatz komme, deren Quellcode nicht bekannt ist.
Für das französische Forschungsinstitut INRIA [Institut National de Recherche en Informatique et en Automatique] hat Senior Developer Dachary bereits eine RFID Library [ C, C++, GNU/Linux] geschrieben, die der Forschung an innovativen Mensch/Computer-Interfaces dient.
Das RFID Projekt
