Gewaltspiel-Therapie für US-Soldaten
Eine Verhaltenstherapie mit dem Spiel "Full Spectrum Warrior" soll Irak-Veteranen helfen, ihre Kriegserfahrungen zu verarbeiten. Die verantwortlichen Psychologen berichten von "ermutigenden Ergebnissen".
Während in Mitteleuropa noch heftige Diskussionen über das Verbot gewaltlastiger Computerspiele toben, werden ebendiese Games in den USA im Rahmen eines psychologischen Forschungsprojekts dazu eingesetzt, Veteranen aus dem zweiten Irak-Krieg von posttraumatischen Belastungsstörungen zu heilen.
Die BBC zitiert eine Studie der US-Armee, nach der jeder achte amerikanische Soldat, der aus den Kriegen im Irak oder Afghanistan heimkehrt, am posttraumatischen Syndrom leidet. Lebensbedrohliche Situationen und Dauerstress im Kampf führen dazu, dass die Soldaten auch lange nach ihrem Abzug aus der Kampfzone unter zahlreichen psychischen Störungen wie Angstneurosen leiden.
Virtuelle Verhaltenstherapie
Die Forschungsabteilung der US-Marine [US Office of Naval Research] finanziert ein mehrjähriges Projekt, an dem mehrere Universitäten und Krankenhäuser beteiligt sind. Die Patienten sollen in virtuellen Kriegsumgebungen mit ihren traumatischen Erlebnissen konfrontiert werden. In kontrollierter Umgebung, so der Plan, werden sie im Verlauf der Therapie ihre Emotionen neu bewerten und die Angst überwinden lernen.
"Angstlevel regulieren"
Federführend ist das Institute for Creative Technologies an der University of Southern California. Projektsprecher und Psychologe Albert "Skip" Rizzo, ein Experte in Sachen virtuelle Realität, gab sich am Montag gegenüber der BBC, optimistisch: "Wir registrieren nach der Behandlung unmittelbare Verbesserungen."
Psychologe Rizzo und seine Kollegen bauen in Rechnern an ihrem Institut im kalifornischen Marina del Rey auf Grundlage des kommerziellen Kampfspiels "Full Spectrum Warrior" Szenerien aus dem Irak nach.
Individuelle Anpassung
Während sich der Patient in der realistisch nachgebauten 3D-Umgebung bewegt, kann der anwesende Therapeut in Echtzeit auf dessen Verhalten reagieren und, wie es in der Projektbeschreibung heißt, dessen "Angstlevel regulieren". Die Ärzte können die Therapieumgebung im Spiel einfach an die individuellen Erlebnisse der Soldaten anpassen.
Realismus
Um die Soldaten in ihre traumatischen Erlebnisse zurückzuversetzen, werden sogar für US-Kampffahrzeuge typische Gerüche in die experimentelle Umgebung gepumpt. Innerhalb von fünf Wochen finden zwei jeweils einstündige Sitzungen mit dem System statt.
Bisher hat das Team von Albert Rizzo vier Patienten mit dieser Methode erfolgreich behandelt. "Mit viel versprechenden Ergebnissen", wie der Psychologe sagt. Eine nicht genannte Zahl von Probanden hat das Programm aber vorzeitig verlassen. Laut Rizzo läuft derzeit ein größerer Versuch des Systems mit Veteranen des Irak-Kriegs.
(BBC | futurezone)
