Mehr Sensibilisierung für den Datenschutz
In Zeiten von Web 2.0, der Umsetzung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung und allgegenwärtiger Technik im Alltag wird es für Nutzer immer schwieriger, ihre Privatsphäre zu wahren. Walter Peissl vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung im Gespräch mit ORF.at.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts europäischer Instute zur Technikfolgen-Abschätzung, an dem auch Österreich beteiligt ist, fordern Wissenschaftler eine Sensibilisierung der Nutzer beim Thema Datenschutz und Privatsphäre. Vor allem die Politik solle sich des Themas annehmen.
"Kurzfristige Vor- und langfristige Nachteile"
Im Gespräch mit ORF.at erklärt Walter Peissl, stv. Direktor des heimischen Instituts für Technikfolgen-Abschätzung [ITA], die Problematik in der Aufklärung der Nutzer: "Schwierig ist das Auseinanderbrechen von kurzfristigen Vor- und langfristigen Nachteilen mancher Services und Technologien."
Man müsse die Konsumenten nicht nur darauf hinweisen, dass es Datenschutz gibt, sondern auch erläutern, warum dieser wichtig sei. "Freiheit bedeutet, autonom zu handeln", so Peissl. "Wenn ich ständig daran denke, eventuell überwacht zu werden, dann verhalte ich mich irgendwann so, wie es sich die anderen von mir erwarten."
"Data-Retention ist Sündenfall par excellence"
Auf die Frage, ob es nicht ein Widerspruch sei, die Politik in Zeiten von Überwachungsmaßnahmen wie der Data-Retention zur Mithilfe aufzufordern, sagt Peissl: "Data-öRetention ist ein Sündenfall par excellence. Was vorher verboten war, ist jetzt Vorschrift. Das widerspricht den Prinzipien des Datenschutzs."
Die Forderung nach mehr Bewusstsein für die Privatsphäre sei nichts, womit man derzeit Politik machen könne. Dennoch sei es wichtig, aufzuzeigen, dass manche Regeln gar nicht so effizient seien, und die Auswirkungen mitzudenken.
Am 28. Februar wird in Brüssel im Rahmen eines Forschungsprojekts die Quintessenz aus 28 Studien von sieben Instituten zu dem Thema präsentiert.
Pervasive Computing birgt Gefahren
Die größte Gefahr für den Nutzer sieht Peissl in der Vision des Pervasive bzw. Ubiquituous Computing - einer Umwelt, die vollkommen elektronisch vernetzt ist und in der Geräte teilweise automatisch auf individuelle Bedürfnisse und Bewegungen reagieren.
Derzeit sei den Nutzern meistens bewusst, wenn sie sich in einem System befinden, das Spuren aufzeichnet. Werde erst einmal alles aufgezeichnet, bekomme das der Einzelne gar nicht mehr mit.
Mehr Bewusstsein in der Entwicklung
Zur Idee einer obligatorischen Privacy-Folgenabschätzung für neue Technologie und Services erklärt Peissl, dass es sich dabei um eine Abschätzung der Auswirkungen auf den Nutzer handle.
Politik und Staat könnten diesen Ansatz seiner Meinung nach verfolgen und entsprechende Dossiers vorschreiben, etwa bei Themen wie der Videoüberwachung. Generell gehe es darum, bereits in der Systementwicklung mehr Bewusstsein für den Datenschutz zu schaffen.
(futurezone | Nayla Haddad)
