18.07.2003

USER BRAUCHEN

Zeit und Geduld für Mail an Mr. President

Wollte man dem US-Präsidenten George W. Bush - oder zumindest seinen offiziellen Vertretern - bisher seine Meinung kundtun, musste man nur eine E-Mail verfassen und diese an die Adresse president@whitehouse.gov schicken.

Ein nun gestartetes neues E-Mail-System, das der E-Mail-Flut an den Präsidenten Herr werden soll, scheint die Kommunikation zwischen Bush und der Öffentlichkeit eher zu erschweren, denn zu erleichtern.

Will ein User dem US-Präsidenten eine E-Mail schreiben, muss er sich ab sofort durch nicht weniger als neun Websites klicken, auf denen er aufgefordert wird, detaillierte Angaben über sich zu machen.

Freund oder Kritiker?

Zunächst wird der Nutzer vom System gefragt, ob er die Politik von Bush unterstützt oder kritisiert. Zur weiteren Kategorisierung muss das Thema der Anfrage aus einer vorgegebenen Themenliste, die zum Beispiel Wirtschaft, Bildung, Gesundheit und Soziales enthält, und einer weiteren Unterkategorien-Themenliste ausgewählt werden.

Die persönlichen Daten müssen detailliert preisgegeben werden, auch nach der National ID Card wird dabei gefragt. Nachdem sich der Schreiber durch diesen Datendschungel gekämpft und die E-Mail schließlich abgeschickt hat, bekommt er eine automatische Antwort zugeschickt.

Er muss nun ein weiteres Mal bestätigen, dass er die Nachricht abschicken will, die Betreffszeile darf dabei während 72 Stunden nicht geändert werden.

Wird diese Bestätigungsnachricht nicht beantwortet oder hat man falsche Angaben gemacht, wird die Anfrage gelöscht.

Bush selbst schreibt keine E-Mails mehr

Den Präsidenten persönlich kann man jedoch weder über das neue Formular noch über die reguläre E-Mail-Adresse erreichen.

Bush hat das Schreiben von E-Mails, eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, schon Anfang 2001 aus Sicherheitsgründen aufgegeben.

Er wolle nicht, dass seine elektronische Privatpost eines Tages von Journalisten oder der Öffentlichkeit gelesen werde, sagte Bush zur Begründung.

Nach US-Recht dürfen die E-Mails unter bestimmten Bedingungen veröffentlicht werden, da sie als Regierungsdokumente gelten.