Office-Hilfe sendet Nutzungsdaten
Die Online-Hilfe von Microsofts neuem Office 2007 nimmt nicht nur mit den Microsoft-Servern Kontakt auf, sondern schickt auch Daten an den US-Dienstleister WebTrends, darunter Infos zum Betriebssystem sowie die externe IP-Adresse.
Datenschutz ist Microsoft laut eigenen Angaben ein großes Anliegen, doch bei genauerer Überprüfung kommen bei diesem Thema doch Zweifel auf.
"PC Praxis" berichtete, dass Microsofts neues Office nicht nur Kontakt mit den Servern in Redmond hält, sondern auch Daten an die US-Firma WebTrends schickt.
Diese Auffälligkeit konnte auch im futurezone.ORF.at-Test mit Word aus Office Professional 2007 reproduziert werden, und zwar beim Aufrufen bzw. Durchsuchen der Hilfe von Office.
Die neuen Office-Hilfeseiten beziehen ihre Infos hauptsächlich direkt aus dem Netz. Einem Nutzer ohne Internet-Anschluss bleiben diese Infos sowie zusätzliche Vorlagen usw. vorenthalten.
Kontakt mit WebTrends-Servern
So zeigt Wireshark während der Nutzung der Online-Hilfe von MS Office bidirektionale Kontakte mit der IP-Adresse 63.236.111.59 - einem Server von WebTrends, wie die Whois-Abfrage zeigt.
Im Logfile wird zudem Microsoft.webtrends.akadns.net erwähnt - hierzu sagt die Whois-Abfrage inhaltlich deutlich weniger, dafür werden Infos zu den Page-Views sowie das Alexa-Ranking angezeigt.
Office ist sehr auskunftsfreudig
Eine genauere Analyse des Traffics zeigt weiters, dass Office mit den Infos relativ freizügig ist, und zwar freiwillig:
Bereits im Get-Request werden nicht nur genaue Infos über das genutzte Betriebssystem [in diesem Fall NT 6.0 aka Windows Vista, Version Ultimate] und die genutzte Office-Version [Professional] überliefert, sondern auch die WAN-IP-Adresse, also jene Adresse, mit der jeder Rechner, egal ob dynamisch oder statisch vergeben, über den jeweiligen Internet-Provider und dessen Logfiles nachverfolgt werden kann.
Auch sind diese Daten mit den entsprechenden Tools leicht auszulesen, weil unverschlüsselt.
Analyse der Interaktionen
Auf Anfrage von ORF.at bezeichnet Microsoft WebTrends als "unabhängigen Dienstleister", der einen Vertrag mit Microsoft hat.
WebTrends analysiere den Traffic auf Websites, um die Nutzung durch den User zu verstehen. Auf Grund dieser Daten solle die Office-Hilfe optimiert werden.
Infos auch ohne Zustimmung
Verwunderlich dabei ist allerdings, dass am Ende jeder Hilfeseite ohnedies eine Abfrage angeboten wird, ob die jeweilige Seite hilfreich war oder nicht.
Auch scheint Microsoft davon auszugehen, dass es für die Nutzer kein Problem ist, dass bei jedem Aufruf bzw. Navigation in den Hilfeseiten detaillierte Infos [wie oben angeführt] weitergegeben werden.
Der Datenschutz bei Microsoft
In der entsprechenden Datenschutzerklärung von Microsoft steht:
"Wenn wir Informationen benötigen, mit denen Sie persönlich identifiziert werden können oder über die wir eine Verbindung mit Ihnen aufnehmen können, werden Sie explizit um diese Informationen gebeten."
Und weiter: "Persönliche Daten, die von Microsoft im Rahmen der Bereitstellung dieser Features erfasst wurden, werden möglicherweise in den USA oder in anderen Ländern/Regionen gespeichert und verarbeitet, in denen sich Einrichtungen von Microsoft, deren Partnern, Tochtergesellschaften oder Vertretern befinden. Mit der Verwendung dieses Programms stimmen Sie zu, dass Daten außerhalb des Landes übertragen werden, in dem Sie ansässig sind. Microsoft hält sich in Bezug auf die Erfassung, Verwendung und Aufbewahrung von Daten aus der Europäischen Union an die Bestimmungen des US-Handelsministeriums [Safe Harbor]."
Laut Microsoft speichert das entsprechende Cookie "ACOOKIE" keine persönlichen Infos. Allerdings konnte das an Hand des auf dem Testrechner gefundenen Cookies nicht verifiziert werden.
Microsofts Reaktion
Pamela Sindall, Managerin im Bereich Office User Assistance in der Microsoft-Zentrale Redmond, sagt:
"Die Kommunikation zwischen Office und WebTrends findet nur dann statt, wenn der User die Hilfefunktion benutzt, die sich dann mit einer Website verbindet. Die Daten, die WebTrends sammelt und analysiert, verwenden wir dazu, unsere Online-Hilfe benutzerfreundlicher zu machen. Dabei werden keine persönlichen Daten gesammelt."
Microsoft sammle die Daten getrennt in 48 verschiedenen Ländern, um die Online-Hilfe besser zu lokalisieren und den Erfordernissen der User anzupassen. "Wir planen auf diese Weise auch zusätzliche Features für unsere Software und die Websites", schreibt Sindall.
