Kameras erkennen verdächtiges Verhalten
Aus der Sicht der Überwacher haben Kameras einen Nachteil: man kann sie nicht dauernd beobachten.
Eine Software soll dies nun ändern. Letzte Woche ist ein Feldversuch in zwei Londoner U-Bahn-Stationen gestartet, bei dem die dortigen Überwachungskameras mit einer Software verbunden wurden, die verdächtiges oder anormales Verhalten erkennen soll.
Die Software, genannt Intelligent Pedestrian Surveillance System [IPS], soll geplante Selbstmorde, überfüllte Stationen, verdächtige Gepäcksstücke und das unbefugte Betreten gesperrter Bereiche automatisch erkennen. Der Algorithmus dazu wurde in zehnjähriger Forschungsarbeit von Sergio Velastin entwickelt, Professor an der Kingston University in London.
Simpler Algorithmus
Der Trick sei, den Algorithmus simpel zu halten, so Velastin.
Gesichtserkennungssoftware beispielsweise basiere auf komplexer
Bildanalyse und würde oft zu viel des Guten tun. Velastins Software
hingegen vergleicht aktuelle Bilder mit gespeicherten Images der
leeren Station. Pixelansammlungen, die Personen oder Objekte
darstellen, werden in Echtzeit verfolgt.
IpsotekSoftware verfolgt Pixel
So kann beispielsweise ein Gepäcksstück, das noch dann am gleichen Ort verweilt, wenn bereits mehrere Züge die Station passiert haben, als verdächtig markiert werden. Das ähnliche Prinzip kann bei verlorenen Kindern oder Selbstmördern, die sich Mut für ihre Tat holen, angewandt werden. Die Aufgabe der Software ist es jedoch nicht, die Situation zu beurteilen, sondern nur, das Personal auf verdächtige Momente aufmerksam zu machen.
In Grossbritannien sind nicht weniger als eine Million Überwachungskameras im Einsatz. Im U-Bahn-Bereich muss eine Person oft bis zu 60 Monitore gleichzeitig überwachen - eine Aufgabe, die hohe Konzentration erfordert und keine lückenlose Kontrolle garantiert.
Die Software soll demnächst in Indien probeweise eingesetzt werden, um dort einen Zug von rund einer Million Pilgern zu überwachen.
Die Kamerabetreiber sind begeistert. "Überwachungskameras helfen, die Sicherheit zu erhöhen und die Kriminalität zu reduzieren. Aber sie können noch effektiver eingesetzt werden, wenn Technologie die Betreiber noch besser unterstützt", freut sich Adam Wiseberg, Chairman der CCTV Group.
Privacy-Gruppen sehen dies nicht so rosig. Datenschützer sind bereits über die Zerstörung der Privatsphäre durch Kamerabeobachtung nicht erfreut. Die Software, der Datenbank des verdächtigen Verhaltens später noch ausgebaut werden könnte, sehen sie als nächsten falschen Schritt.
