Wir kaufen uns ein Glasfasernetz
In den letzten Jahren wurden vielerorts zahlreiche Glasfaserkabel verlegt, genutzt werden davon bis dato meist nur ein bis zwei Prozent. Den Rest bezeichnet man als totes Kabel, auf denen einige Provider seit Jahren sitzen bleiben.
Ein Vorschlag von Bill Arnaud, Direktor der kanadischen Organisation für Internet Entwicklung CANARIE, lautet daher, diese Kabel an Private zu verkaufen. Zumindest in Kanada und den USA gehen manche Schulen, Universitäten und Krankenhäuser jetzt dazu über, unbenutzte Glasfasern von Firmen aufzukaufen, die derzeit finanziell schlecht dastehen.
Wie es funktionieren könnte, so Arnaud, hätten bereits vor 50 Jahren die Carrierer selbst gezeigt, als sie sich zu einem Konsortium zusammenschlossen, um die Transatlantik-Kabel zu verlegen. Die gleichen Verträge werden jetzt in dem Forschungsprojekt für "Community Owned Networks" verwendet.
"Dieses Modell bietet allen Beteiligten Vorteile: Die Firmen bekommen etwas von ihrem Geld zurück. Deren altes Konzept: 400 Stränge an Glasfaser zu verlegen und nur zwei davon zu benutzen um die Kosten einzuspielen, funktioniert soundso nicht. Wir bieten jetzt den Providern ein neues Geschäftsmodell an. Das wird zwar erst von ein paar wenigen Firmen umgesetzt, aber die zählen zu den wenigen, die heute wirklich Geld verdienen. Langsam wachen die Leute auf und erkennen: Hier entsteht ein neuer Markt," so Arnaud.
CA*net4Geringere Kosten für Anschluss
Aus derzeitigen Studien kenne man die Kosten für Schulen, so Arnaud weiter. Durchschnittlich rechne man mit 20.000 USD pro Schule, der Preis könne jedoch, je nach Lage, Bauverordnung und Grabungsarbeiten, stark variieren. Zudem mussten für die Umsetzung der Pläne mancherorts 200.000 USD gezahlt werden.
Das Equipment zur Betreibung eines optischen Netzwerkes wurde in den letzten Jahren nicht nur technisch verbessert, sondern auch kostengünstiger.
Um ein Netzwerk im Umkreis von 1000 km aufzubauen, nehme man 10 Gigabit Ethernet, seit 2002 ein IEEE Standard, vier Kanäle CWDM - ein kostengünstigeres Mutliplexverfahren - und erhalte damit eine Datenübertragungsrate von 40 Gbps, erzählt Arnaud seinen Zuhörern seit Jahren; zu einem Bruchteil der Kosten, die ein herkömmlicher Provider dafür verlangen würde.
Eigentümer sorgen selber für Anschluss
Das Problem mit der letzten Meile, die Überbrückung der letzten
Kilometer zu den vorhandenen Netzwerk, nehmen die neuen Besitzer der
Glasfaser selbst in die Hand.
Zahl der Breitbandanschlüsse steigt rasantAnwendungen gesucht
Bleibt die Frage der Anwendungen für solche Netzwerke. Bis dato benötigen vor allem Filme derart große Bandbreiten.
Auch die Kanadier haben noch keine neuen Ideen zu weiteren Anwendungsmöglichkeiten, man erhofft sich mit Hilfe des neuen Modells aber Impulse für die Zukunft zu setzen.
Gridcomputing erscheint vielen als interessanter neuer Bereich. Bisher werden diese jedoch vor allem bei Forschungs- oder internationale E-Learning- Projekten umgesetzt, bei denen mit großen Datenpaketen hantiert wird.
Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Mehr über die Pläne der Kanadier heute
