Google sieht Grenzen für Online-TV
Services wie YouTube und das neue Online-TV-Projekt der beiden Skype-Gründer, Joost, könnten das Netz an seine Grenzen bringen. Das war die einhellige Meinung bei einem Kongress der europäischen Kabelbetreiber, zu dem auch Google geladen war.
Verschiedene Kabel-Internet-Anbieter und der Internet-Konzern Google warnten beim Cable Europe Congress, dass mehr investiert werden müsse, um die steigenden Datenmengen auch künftig fließen zu lassen.
Googles Chef für TV-Technologien, Vincent Dureau, gab zu bedenken, dass das Web nicht für TV designt worden sei. Er warnte Rundfunkunternehmen davor zu glauben, sie könnten normale TV-Shows und Filme in großem Umfang und in TV-Qualität über das "öffentliche" Netz vertreiben.
Google als Konkurrenz
"Die Web-Infrastruktur und auch Googles Infrastruktur wird das nicht schaffen. Wir können nicht die Servicequalität anbieten, die sich die Konsumenten erwarten", so Dureau bei dem Kongress in Amsterdam. Google bot den Kabelfirmen deshalb an, ihre Technologien zu kombinieren.
Die Tatsache, dass Google überhaupt an dem Kongress teilnahm, wurde bei den Kabelbetreibern mit gemischten Gefühlen aufgenommen: Sie befürchten, dass die Web-Unternehmen ihnen das lukrative TV-Geschäft wegnehmen.
Bis einschließlich Donnerstag tagt die Kabelbranche in Amsterdam.
Mit Investitionen hintennach
Auch die Betreiber sind sich der Problematik durchaus bewusst, schließlich macht eine Stunde Video in etwa die gleiche Datenmenge aus, wie der durchschnittliche E-Mail-Account im Jahr benötigt.
"Der meiste IP-Traffic wird durch Filesharing erzeugt und das meiste dabei ist Video. Jedes Jahr müssen wir substanziell investieren, um die User-Experience aufrechtzuerhalten. Tatsächlich hat sie eigentlich abgenommen", so Richard Alden, Chef des spanischen Kabelunternehmens ONO. "Internet-Provider reden natürlich nicht gerne darüber, dass sie investieren müssen, nur um stillzustehen."
Dennoch sehen Analysten das Geschäft der Kabel-Industrie positiv: Im Gegensatz zu großen Telekoms herrsche weiter Wachstum, mehr Effizienz und auch Profit in der Branche.
Die österreichischen Anbieter sehen sich für die verstärkte Bandbreitennachfrage gerüstet, wollen aber die Kapazitäten weiter ausbauen, wie eine Recherche von ORF.at ergab.
Diskussion über Netzneutralität
Genau diese Debatte über "Quality of Service" und die steigenden Anforderungen an die Breitbandnetze zieht meist auch eine Diskussion über die Netzneutralität nach sich.
Immer wieder spielen Provider mit dem Gedanken, von Google & Co. eine Art Maut für die Datenübertragung zu verlangen oder die Ausfahrt zum Kunden zu blockieren. Denn rein technisch gesehen könnten die Provider die Seiten jener Inhaltsanbieter, die solchen "Wegzoll" verweigern, einfach blockieren bzw. deren Geschwindigkeit drosseln.
Die Attraktivität des Internets liegt aber gerade in der Vielfalt der Inhalte, die von jedem Rechner weltweit abgerufen werden können.
Auch in Österreich wurde diese Diskussion kürzlich wieder losgetreten.
(futurezone | Reuters)
