09.07.2003

PILOT & PROJEKT

Handyortung gegen Verkehrsstau

Wenn es nach den Finnen geht, sollen Handys demnächst helfen, Staus zu vermeiden.

In einem Pilotprojekt haben Forscher im Auftrag der finnischen Regierung Verkehrsmessungen mit Hilfe der Handysignale der Autofahrer durchgeführt. Dabei wurden die Verkehrsmuster entlang bestimmter Routen in und um Helsinki aufgezeichnet.

Die Daten sollen laut dem finnischen Technical Research Center [VTT] bei der Vermeidung von Verkehrsstaus derart hilfreich gewesen sein, dass die Behörde das System auf das ganze Land ausweiten will.

"Sie können Ihre Fahrt planen und die schlimmsten Stoßzeiten vermeiden, alternative Routen wählen, vorhersagen, wann Sie bei der Arbeit ankommen und wann es Zeit, ist die Sauna aufzuheizen", so die Straßenverwaltung. Sie sucht bereits nach Geld, um das Projekt auszubauen.

Die Tücken des Systems

Doch das System hat auch seine Tücken. "Natürlich gibt es Fehler - wenn in einem Bus 30 Handys mitfahren, registriert das System alle als einzelne Fahrzeuge. Oder wenn jemand im Wald Beeren pflückt, wird dessen Handy als stillstehendes Objekt erkannt", räumt Projektmanager Timo Karhumaki ein.

Daher wurde eine Formel entwickelt, mit der Daten kalibriert werden können, indem zuerst der tatsächliche Umfang des Verkehrs beobachtet wird. Diese Daten werden dann mit jenen des Handysystems verglichen und ein Gewichtungsfaktor bestimmt, um die Fehler zu korrigieren.

Damit das System verlässliche Daten liefert, müssen mindestens fünf Prozent der Autofahrer ein [eingeschaltetes] Mobiltelefon mit sich führen. In städtischen Gegenden mit viel Verkehr soll das System auch mit weniger Nutzern auskommen.

Datenschutzbedenken

Datenschutzbedenken versuchen die Projektbetreuer mit Argumenten zu zerstreuen, dass die einzige Information, die aufgezeichnet werden, eine Zufallszahl sei, die dem Handy zugeordnet wird, sowie die zurückgelegte Strecke und die dabei gemessene Zeit.

Laut Radiolinja gebe es keine Methode, diese Zahl später mit bestimmten Handynummern in Verbindung zu bringen. Nach Veli-Matti Kiviranta, der das Projekt für Radiolinja betreut, werden die Daten "überschrieben, gelöscht und wieder verwendet".

Das Forschungszentrum gab jedoch an, dass das System auch zum Ausfindigmachen gestohlener Autos verwendet werden könnte.