07.07.2003

HEISS

Tunnelbrände im Rechner simuliert

Damit in Zukunft Tunnelbrände effektiv und schnell bekämpft werden können, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grafische Datenverarbeitung [IGD] in Darmstadt gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Graz eine neuartige, virtuelle Testumgebung entwickelt.

Das Verfahren soll kostspielige und gefährliche Notfallsübungen ersetzen, berichtet das IGD. Mit Hilfe der Strömungssimulation lassen sich gefährliche Situationen nachstellen und ermöglichen dadurch eine Kontrolle der Sicherheitseinrichtungen.

"Die negative Sicherheitsbilanz vieler Tunnel resultiert unter anderem aus den komplexen technischen und personellen Maßnahmen, die im Falle einer Explosion oder eines Feuers in einer tief liegenden Röhre einzuleiten sind. Um etwa die drohende tödliche Rauchvergiftung von Fahrzeuginsassen zu verhindern, zählen bereits einzelne Sekunden", so Projektleiter Volker Luckas vom IGD.

EU-Gelder für virtuelle Feuer

Gemeinsam mit dem EU-Projekt "Virtual Fires", das von Gernot Beer von der Technischen Universität Graz zur Simulation von Bränden entwickelt wurde, ist es möglich, in einem dynamischen 3-D-Szenario die gefährliche Feuer- und Rauchentwicklung einer unterirdischen Katastrophe darzustellen und damit die Wirkung von Brandschutzmaßnahmen zu überprüfen.

Die Computersimulation visualisiert die komplexen Daten eines Brandes wie Temperatur, Druckgefälle und Rauchausbreitung. Dabei sei, so Luckas, verschiedene Szenarien darstellbar, egal ob es sich um eine achtlos weggeworfene Zigarette handelt, die den Brand verursacht, oder eine Kollision zweier Gefahrenguttransporter.

"Abzuleiten daraus ist die Positionierung von lebensrettenden Sprinkleranlagen, Ventilatoren oder Lüftungsschächten", so der Experte. "Anhand der im virtuellen Tunnel erzeugten Strömungssimulation kann auch der gefährliche Luftsog berechnet werden, der ein Feuer in Sekundenschnelle zum Inferno anwachsen lässt."