Tunnelbrände im Rechner simuliert
Damit in Zukunft Tunnelbrände effektiv und schnell bekämpft werden können, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grafische Datenverarbeitung [IGD] in Darmstadt gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Graz eine neuartige, virtuelle Testumgebung entwickelt.
Das Verfahren soll kostspielige und gefährliche Notfallsübungen ersetzen, berichtet das IGD. Mit Hilfe der Strömungssimulation lassen sich gefährliche Situationen nachstellen und ermöglichen dadurch eine Kontrolle der Sicherheitseinrichtungen.
"Die negative Sicherheitsbilanz vieler Tunnel resultiert unter anderem aus den komplexen technischen und personellen Maßnahmen, die im Falle einer Explosion oder eines Feuers in einer tief liegenden Röhre einzuleiten sind. Um etwa die drohende tödliche Rauchvergiftung von Fahrzeuginsassen zu verhindern, zählen bereits einzelne Sekunden", so Projektleiter Volker Luckas vom IGD.
Realistische Übungen wie etwa ein Tunnelbrand nach einem Unfall lassen sich aber kaum nachstellen. Damit in Zukunft Tunnelbrände effektiv und schnell bekämpft werden können, entwickelten die IGD-Forscher die neuartige, virtuelle Testumgebung.
IGDEU-Gelder für virtuelle Feuer
Gemeinsam mit dem EU-Projekt "Virtual Fires", das von Gernot Beer von der Technischen Universität Graz zur Simulation von Bränden entwickelt wurde, ist es möglich, in einem dynamischen 3-D-Szenario die gefährliche Feuer- und Rauchentwicklung einer unterirdischen Katastrophe darzustellen und damit die Wirkung von Brandschutzmaßnahmen zu überprüfen.
Die Computersimulation visualisiert die komplexen Daten eines Brandes wie Temperatur, Druckgefälle und Rauchausbreitung. Dabei sei, so Luckas, verschiedene Szenarien darstellbar, egal ob es sich um eine achtlos weggeworfene Zigarette handelt, die den Brand verursacht, oder eine Kollision zweier Gefahrenguttransporter.
"Abzuleiten daraus ist die Positionierung von lebensrettenden Sprinkleranlagen, Ventilatoren oder Lüftungsschächten", so der Experte. "Anhand der im virtuellen Tunnel erzeugten Strömungssimulation kann auch der gefährliche Luftsog berechnet werden, der ein Feuer in Sekundenschnelle zum Inferno anwachsen lässt."
Von "Virtual Fires" sollen in Zukunft auch die Betreiber der Tunnel profitieren, da diese mit Hilfe der neuen Prüfsoftware gefährliche Schwachstellen in der Röhre bereits in der Planungsphase aufspüren können. Im Test kann dabei festgestellt werden, ob die notwendigen Sicherheitseinrichtungen und -vorkehrungen getroffen wurden und im Ernstfall die gewünschte Wirkung erzielen. Das Projekt wird von der EU mit 1,5 Mio. Euro gefördert. Das Konsortium von "Virtual Fires" ist ein Kompetenzentrum von Unternehmen und Forschungspartnern aus fünf Ländern.
"Virtual Fires"
