07.07.2003

MANAGER

Multitasking als Sucht und Krankheit

Immer mehr Menschen sind nicht nur immer erreichbar, sondern auch permanent mit verschiedenen Netzen verbunden, über die sie E-Mails empfangen und senden oder Informationen abfragen.

Von den Herstellern der Smartphones, WLAN-Laptops und Headsets, die das möglich machen, wird der Zustand des "Always-on" vor allem als neue Freiheit angepriesen, die Büroarbeiter geografisch unabhängiger und flexibler machen soll.

Die digitalen Begleiter kommen in der Realität allerdings nicht - wie in den entsprechenden TV-Spots suggeriert - vor allem am Strand zum Einsatz, sondern bilden in der Regel eine ständige zweite oder dritte Aktionsebene parallel zu Meetings und Konferenzen.

Das resultierende Multitasking wird von vielen Managern sogar als besonders lustvoll empfunden, während Psychologen eher davor warnen, dass hier die Effizienz insgesamt sinkt.

Neue Managerkrankheit

Wie eine zunehmende Zahl ihrer Kollegen warnen die Psychologie-Professoren Edward Hallowell und John Ratey von der US-Universität Harvard vor schädlichem oder sogar krank machendem Multitasking.

Die beiden haben dabei eine neue Krankheit ausgemacht, die sie als Variante des "Aufmerksamkeitsdefizit-Syndroms" [ADS], nämlich als "Pseudo-ADS", bezeichnen. Dabei leiden die Betroffenen unter verkürzten Aufmerksamkeitsspannen, die allerdings aus einer technologisch geförderten, permanenten Informations-Überdosis resultieren.

Unterdessen empfinden die Betroffenen selbst das letztlich kontraproduktive Multitasking sogar als lustvoll, da sie angesichts der vielen parallelen Herausforderungen postive Stresserfahrungen machen.

Ratey sieht hier sogar oft ein Suchtverhalten, das nach immer neuen Informationen in immer kürzeren Abständen verlangt. Dem muss Intel-COO Patrick Gelsinger natürlich widersprechen: "Wir stellen keine Drogen her, sondern Technologien, welche die Welt in allen Aspekten verbessern", kommentiert er entsprechende Einwände.

Multitasking ineffizient

Aber auch jenseits echter oder vermeintlicher neuer Krankheiten scheint Multitasking keine effiziente Arbeitsform zu sein:

Das Thema ist zwar noch wenig erforscht, aber die bisher vorliegenden Erkenntnisse deuten fast alle darauf hin, dass es im Gegensatz zu Computern für Menschen in jedem Fall effektiver ist, verschiedene Aufgaben nacheinander zu erledigen.

Laut Professor David Meyer von Universität in Michigan benötigen Menschen, die zwei Aufgaben "gleichzeitig" bearbeiten - wobei das in der Praxis eher einen ständigen Wechsel bedeutet -, rund 50 Prozent mehr Zeit, als wenn sie sich den Aufgaben hintereinander widmen würden.