06.07.2003

AFRIKA

Telefongesellschaften fürchten VoIP

In manchen Teilen der Welt sind Telefonleitungen sehr rar und damit die Leitungen selber, aber auch die Anrufe, kostbar und teuer.

Voice-over-IP, oder Telefonieren über das Internet, könnte den Mangel an Leitungen sowie Kosten ausgleichen helfen, doch nicht überall sind die alle Beteiligten mit dieser Lösung auch gleichermaßen einverstanden.

In Afrika wehren sich zahlreiche staatliche Telefongesellschaften gegen Telefonie via Internet durch Konfiszierungen der Hardware oder das Kappen der Leitung. Doch rasche Kommunikation ist ein Schlüssel für die Teilnahme an der Weltwirtschaft und so könnten diese Taktiken sich mancherorts als zunehmend hinderlich erweisen.

Die Ghanaesche Regierung verteidigt ihr Vorgehen mit der Argumentation, dass das Anbieten von Telefonservices einer Regelung bedarf. Üblicherweise verdient auch die Regierung an Ferngesprächen einen beachtlichen Teil.

Ghana : Bangalore Afrikas

Vor allem Ghana prophezeien Beobachter eine vergleichbare Stellung für Afrika wie Bangalore für Indien eingenommen hat - und damit zur regionalen Drehscheibe der IT-Industrie zu werden.

Doch die staatliche Telefongesellschaft Ghana Telecom wehrt sich gegen die Vorstellung, dass Internet Telefonie der Wirtschaft und auch der Gesellschaft hilfreich sein kann. Sie befürchtet vor allem Verluste und versucht in Kampagnen die Bürger davon abzubringen und dreht bei potentiellen VoIP-Usern auch schon mal die Telefonleitung ab.

In Ghana wollte zu Beginn niemand an eine Nachfrage für Telefonie glauben, bis 1996 der erste Handybetreiber Spacefon startete. Damals wurde das Potential auf 12.000 Kunden geschätzt, heute hat Spacefon 300.000 Kunden.

300.000 Vorbestellungen

Derzeit hat die staatliche ghanaische Telefongesellschaft 300.000 Bestellungen für Telefonleitungen. Bestechung ist ein üblicher und gebräuchlicher Weg, um in kalkulierbarer Zeitspanne zu einer Leitung zu gelangen.

Doch selbst wer eine Leitung sein eigen nennt, muss mit einem durchschnittlich fünfzigprozentigen Ausfall der Leitung und falschen Abrechnungen rechnen.

In Anbetracht der Umstände hat sich VoIP, trotz der verhältnismäßig schlechten Sprachqualität, zu einer gern genutzten Alternative entwickelt.

Internetzugänge in Ghana basieren zu einem beträchtlichen Teil auf privat initierten Netzwerken mit Satelliten- oder WLAN-Anbindung. Bei Kosten von 2.000 bis 5.000 USD für eine robuste Internetverbindung pro Monat ist die Internet-Telefonie ein logischer Schritt um Kosten im Rahmen halten zu können.

Entlastung für Infrastruktur

Andere afrikanische Regierungen sehen in VoIP eine Chance den Telefonfrust in ihren Ländern zu beenden. In Nigeria wurde VoIP noch nicht offiziell befürwortet, doch man sieht dort darin hauptsächlich eine Entlastung für die eigenen überladenen Netze.

Neue Geschäftsfelder

Mittlerweile haben einige US-Firmen mit lokalen Firmen Partnerschaften abgeschlossen. So wurde ein Call-Center in Ghana gegründet, von dem aus Ghanaer versuchen, die Dienste eines US-Mobilfunkbetreibers an den US-Bürger zu bringen.