06.07.2003

MATRIX FORUM

Die Macht der Marken im Web

Für sein Buch "Online Branding" hat der englische New Media-Journalist Keith Drew eine Bestandsaufnahme davon vorgenommen, wie Firmen und Organisationen ihre Marken im Web präsentieren.

Am Anfang funktionierte Branding im Web nach ganz einfachen Prinzipien: Die Firmen stellten einfach ihre Broschüren und Werbeprospekte online und applizierten dazu möglichst auffällig ihr Logo. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan und verändert, sowohl was die Selbstdarstellung von Unternehmen online als auch was die Erwartungshaltung der User anbelangt.

Im Zuge der Arbeit an seinem Buch hat Keith Drew auch zahlreiche Gespräche und Interviews mit Webdesignern geführt. Einer davon ist Hillman Curtis, einer der ganz großen Stars in der Webdesign-Szene, der unter anderem die Website des führenden Software-Herstellers Adobe gestaltet hat.

Die Adobe-Site war für Hillman Curtis ein Balanceakt, denn zum einen muss die Site für den einfachen User attraktiv sein, der sich einfach nur ein Upgrade des Acrobat Reader von Adobe herunterladen möchte.

Breite Masse gegen Nischenpublikum

In seinem Buch "Online Branding" stellt Keith Drew auch ein paar Sites vor, die mit den herkömmlichen Vorstellungen von Firmenwebsites brechen und extrem experimentell sind. Dazu zählt eine frühe Version der Site von Sony Computer Entertainment Europe, die sich an ein Publikum von Hardcore-Gamern richtete.

"Vom Standpunkt der Usability aus gesehen war die Sony-Site fast eine Zumutung. Aber man muss sich dabei vor Augen halten, dass damit ein bestimmtes Publikum erreicht werden sollte, nämlich:

So funktioniert Online-Branding

Die Zeiten, in denen man online und gleichsam aus dem Nichts heraus eine Weltmarke wie Amazon oder eBay aufbauen konnte, sind ein für allemal vorüber. Die Grundprinzipien, die diese Erfolgsmarken bei ihrem Online-Branding angewandt haben, bleiben allerdings unverändert.

In einer Art Epilog listet Keith Drew in seinem Buch diese, vor allem für Webdesigner interessanten Prinzipien noch einmal auf:

"Das Allerwichtigste ist natürlich zunächst: Man muss die Marke genau verstehen, muss wissen, wofür sie steht und welche Wirkung sie online haben soll.

Daraus ergibt sich in einem zweiten Schritt: man muss das Publikum genau kennen, das man mit der Marke erreichen möchte. So wie das Sony mit der Website für Gamer gemacht hat, so kann jede Site für das gewünschte Zielpublikum maßgeschneidert werden.

Weiters ist es wichtig, ein Service anzubieten, weil die Leute die Site dadurch öfters besuchen. Sehr wichtig ist es auch, die Stärken des Mediums zu kennen und auszunützen. Allen voran die Interaktivität, die man durch Breitband in Zukunft noch viel stärker zum Einsatz bringen kann."