Legale Download-Plattform vor dem Scheitern
Die Gründung einer gemeinsamen Internet-Plattform der deutschen Musikindustrie droht nach Angaben aus Branchenkreisen zu scheitern, weil sich die Beteiligten nicht auf einen technischen Dienstleister einigen können.
Auf einer Vorstandssitzung des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft am Mittwoch seien keine wesentlichen Fortschritte in dieser Frage erzielt worden, hieß es im Anschluss aus Branchenkreisen.
Universal Music bestehe weiter auf der Deutschen Telekom als Dienstleister, die allen anderen zu teuer sei, hieß es. "Es gibt wenig Kompromissspielraum. Es sieht eher danach aus, dass es nicht klappen wird", hieß es in den Kreisen.
Die Beteiligten seien weiter an einer Lösung interessiert. Bis zur Musikmesse Popkomm Mitte August werde das Thema in die eine oder andere Richtung entschieden sein. Ein Sprecher des Phonoverbands wollte die Angaben nicht kommentieren. "Wir arbeiten weiter an dem Projekt", sagte er.
Die Krise der Musikindustrie in Deutschland soll sich unterdessen weiter verschärfen: "Wir haben als Branche ein massives Problem", sagte am Mittwoch Thomas Stein, Chef der Bertelsmann-Musiksparte BMG für die Region Deutschland, Österreich und die Schweiz. In diesem Jahr werde der Musikmarkt in Deutschland voraussichtlich nochmals um 20 Prozent einbrechen, so Stein. Weltweit rechnet er mit einem Rückgang von sieben Prozent.
Musikmarkt soll 2003 weiter schrumpfenZwei Jahre Vorarbeit
Seit fast zwei Jahren arbeiten die deutschen Musikkonzerne und unabhängigen Labels an der Gründung einer Internet-Plattform, die den illegalen Musiktauschbörsen ein legales Angebot zum Herunterladen von Musiktiteln für 99 Cent entgegensetzen soll.
Die Plattform unter dem Arbeitstitel Phonoline, die das Angebot aller deutschen Musikkonzerne umfasst, soll dabei nicht auf einer eigenen Website präsentiert, sondern in Auftritte von zum Beispiel RTL, Karstadt und Viva integriert werden.
Die bisherigen Versuche einzelner Musikkonzerne für ein legales Downloadangebot haben vor allem wegen der restriktiven Nutzungsbedingungen wenig Erfolg gehabt.
Statt Einzeldownloads bestehen viele Musiker zudem auf dem ausschließlichen Verkauf ihrer Musikstücke in Form von ganzen Alben.
Musiker gegen EinzeldownloadsVorsprung verloren
Die deutsche Musikindustrie wollte eigentlich mit dem gemeinsamen Service auch international Maßstäbe setzen. Dies hat allerdings inzwischen Apple getan:
Nach dem erfolgreichen Start von Apples "iTunes Music Store" bereiten jetzt auch alle großen Internet-Player eigene kostenpflichtige Download-Services vor.
Microsoft, Yahoo, Amazon, AOL und MTVs Online-Division [Viacom] arbeiten derzeit alle fieberhaft an eigenen Musik-Download-Plattformen.
Laut Musikindustriekreisen sollen die geplanten Services der Internet-Industrie noch zum Weihnachtsgeschäft starten.
Internet-Konzerne wollen Musik verkaufen
