Klagen gegen Investmentbanken abgewiesen
Die großen US-Investmentbanken haben sich vor Gericht gegen Investoren behauptet, die sie für Verluste bei Aktiengeschäften zur Verantwortung ziehen wollten.
Wie bekannt wurde, wiesen zwei Bundesrichter am Montag entsprechende Klagen ab. Die Entscheidungen könnten richtungsweisend für weitere Prozesse sein.
Den Investmentbanken wird im Zusammenhang mit dem Einbruch auf den Aktienmärkten im Jahr 2000 vorgeworfen, mit ihren Analysen den Investoren finanzielle Verluste zugefügt zu haben.
Sammelklage abgewiesen
US-Bundesrichter Milton Pollack gab einem Antrag des Brokerhauses
Merrill Lynch statt, eine Sammelklage in Zusammenhang mit dem
Börsengang der Online-Werbefirma 24/7 Real Media und dem
Software-Hersteller Interliant abzulehnen.
Merrill LynchHype während der Dot.com-Zeit
Merrill hatte die beiden Unternehmen während der Hausse-Zeit an die Börse gebracht. Einer der führenden Analysten der Bank, Henry Blodget, hatte Anlageempfehlungen für die Unternehmen erstellt. Investoren warfen Merrill später vor, zu optimistische Empfehlungen ausgesprochen zu haben.
In einer anderen Entscheidung wies US-Bundesrichter Harold Baer eine Klage gegen die Investmentbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston, eine Tochter der Credit Suisse, ab. Sie sollten in Verbindung mit Verlusten der Aktien der Covad Communications Group zur Rechenschaft gezogen werden.
Den Klägern sei es nicht gelungen darzulegen, dass ihre Verluste eine direkte Folge unausgewogener Empfehlungen zu Covad gewesen seien, sagte Richter Baer. Die einst hoch gehandelten Titel von 24/7 Real Media, Interliant und Covad sind auf Werte von unter einem USD abgerutscht.
Richter Pollack erklärte, die Kläger hätten darauf gehofft, "die Bundesgesetze in das Schema einer Gratisversicherung für Spekulanten zu pressen". Merrill Lynch begrüßte die Entscheidung. "Wir freuen uns, dass der Richter mit unseren Argumenten übereinstimmt", sagte ein Sprecher.
Kläger sind unzufrieden
Ein Vertreter der Kläger zeigte sich hingegen unzufrieden. Nun müsse erwogen werden, ob die Entscheidung angefochten werde.
Gegen Merrill sind nach Gerichtsangaben noch 25 Sammelklagen in Verbindung mit Anlageempfehlungen für Internet-Aktien anhängig.
Die Gerichtsentscheidungen verliehen den Aktien der Brokerhäuser am Dienstag Auftrieb. Die Merrill-Titel stiegen in New York um 3,3 Prozent, Goldman-Sachs-Aktien verbuchten ein Plus von 2,5 Prozent, Morgan Stanley stiegen um 3,4 Prozent. Die Aktien der Credit Suisse legten am Mittwoch über fünf Prozent auf 36,55 Schweizer Franken zu.
