Japans Buchhändler gegen Kamerahandys
Der technische Fortschritt hat japanischen Buchhändlern ein neuartiges Problem beschert: den digitalen "Ladendiebstahl". Statt Fachliteratur oder Modemagazine zu kaufen, fotografieren die Kunden die für sie interessanten Seiten noch im Geschäft mit Kamerahandys.
Der japanische Magazinverlagsverband kündigte deswegen am Montag eine groß angelegte Kampagne gegen die Mobil-Kopierer an. Ab Dienstag soll auf 30.000 Plakaten in japanischen Geschäften dazu aufgerufen werden, "Informationsaufnahme per Kamerahandy oder anderes technisches Gerät zu unterlassen".
60 Millionen Kamerahandys für 2003Jedes zweite Handy mit Kamera
Der digitale "Ladendiebstahl" sei zu einem großen Problem geworden, sagt Kenji Takahashi vom Verlagsverband. Er weist darauf hin, dass die rund 20.000 Buchhandlungen in Japan schon genug unter dem konventionellen Ladendiebstahl zu leiden hätten. Hunderte von ihnen müssten zudem jährlich wegen finanzieller Schwierigkeiten schließen.
Im technikverliebten Japan sind knapp 77 Millionen Handyverträge registriert. Jedes zweite der seit Anfang des Jahres ausgelieferten Mobiltelefone ist Schätzungen zufolge mit einer Kamera ausgestattet.
Telefonieren oder fotografieren
"Das Problem ist, dass wir nicht unterscheiden können, ob der Kunde telefoniert oder fotografiert", sagt eine Mitarbeiterin einer großen japanischen Buchhandelskette. Juristisch lassen sich die Foto-Kopierer aber nichts zu Schulden kommen: Das Copyright verbietet nur die Kopien für kommerziellen, nicht aber für privaten Gebrauch.
