Virtuelle Stuntmen erobern Hollywood
Statt menschlicher Stuntmen sollen schon bald die ersten virtuellen Doubles Kopf und Kragen riskieren, um Kampfsport-Altmeister wie Jackie Chan und Action-Helden a la Vin Diesel in ihren nächsten Filmen besser aussehen zu lassen.
Wie "Bild der Wissenschaft" berichtet, soll eine neue Software mit dem passenden Namen "endorphin" die Schaffung von künstlichen Charakteren, die realistische Reaktionen in Extrem-Szenarios zeigen, ermöglichen.
Die Software kommt erstmals im griechischen Sagen-Epos "Troja" des deutschen Regisseurs Wolfgang Petersen ["Das Boot", "Der Sturm"] zum Einsatz. Der Film mit Brad Pitt in der Rolle des antiken Helden Achilles soll im Mai 2004 in die Kinos kommen.
"Troja"-WebsiteUnverwundbare Stunt-Helden
Dabei wird nicht nur der menschliche Körper, sondern auch das Gehirn simuliert.
Mit Hilfe neuronaler Netzwerke nehmen die Computer-Charaktere ihre Umgebung wahr und reagieren selbstständig auf Situationen und sogar Regie-Anweisungen. Fixe Datenbanken mit vorgegebenen Animationsclips sind nicht länger vonnöten.
Komplexe Bewegungsabläufe bei tollkühnen Stunts und atemberaubenden Kampfsport-Einlagen sollen sich so von den nimmermüden und unverwundbaren Cyber-Helden innerhalb kürzester Zeit nachstellen lassen.
Die Software wurde von Wissenschaftlern der Universität Oxford entwickelt. Über die Software-Firma NaturalMotion stellen die Forscher ihre Arbeit nun Filmemachern zur Verfügung.
Edorphin von NaturalMotionAuch für Computerspiele
"Statt ein Stunt-Set aufzubauen, Stuntmen zu engagieren und teuer zu versichern, kann die gesamte Szene mit der Software produziert werden," erklärt Torsten Reil, Mitbegründer von NaturalMotion, gegenüber dem "Discovery Channel". "Das reduziert Produktionskosten und -zeit."
"Für den Kino-Zuschauer bedeutet dies, dass in den nächsten Monaten und Jahren immer waghalsigere Szenen zu sehen sein werden, die bisher undenkbar, da einfach zu gefährlich waren."
Auch in Computerspielen kann mit Hilfe der Software der Realismus dramatisch erhöht werden.
"Statt wie bisher vorproduzierte Animationen einzuspielen, sieht bei den endorphin-Charakteren etwa jeder Tackle in einem Football-Game anders aus," so Reil weiter.
