Hewlett-Packard kommt nicht zur Ruhe
Nach der internen Abhöraffäre beim PC-Hersteller Hewlett-Packard [HP] erhebt nun ein ehemaliger Mitarbeiter schwere Vorwürfe: Das Unternehmen soll den Konkurrenten Dell während seines Einstiegs ins Druckergeschäft ausspioniert haben.
Die Negativmeldungen rund um die Spionageaffäre bei HP nehmen kein Ende. Wie das Branchenmagazin "CNet" berichtet, beschuldigt ein ehemaliger Mitarbeiter das Unternehmen der Industriespionage beim Konkurrenten Dell.
Karl Kamb war Vizepräsident für Business-Entwicklung bei Compaq Computers, als HP das Unternehmen 2002 übernahm und wurde im Herbst 2005 entlassen. Laut seiner Klage, die vergangene Woche in Texas eingereicht wurde, habe HP den ehemaligen Dell-Chef für Japan, Katsumi Iizuka, für die Beschaffung von Informationen zu Dells Einstieg in das Druckergeschäft bezahlt.
"Oberes" Management involviert?
Die Zahlungen seien demnach vom "oberen" HP-Management abgezeichnet worden. Weiters wirft Kamb HP vor, sich Zugriff zu seinen Telefonabrechnungen verschafft zu haben.
Unter den Dokumenten, die Kamb vor Gericht einreichte, sollen E-Mails zwischen ihm, Iizuka und anderen HP-Mitarbeitern gewesen sein. HP behauptet unterdessen, dass Kamb Iizuka als Marktanalysten für HP-Mitbewerber empfohlen habe.
Dell war im März 2003 in das Druckergeschäft eingestiegen und betont gegenüber "CNet", dass Iizuka das Unternehmen bereits 1995, also acht Jahre zuvor, verlassen habe.
Wirtschaftlich steht das Unternehmen gut da: 2006 konnte HP seine Marktführerschaft weiter ausbauen und hat allein im vierten Quartal 2006 seinen Marktanteil von 15 Prozent auf 17,4 Prozent gesteigert.
HPs Vorwürfe gegen Kamb
HP kommentiert die Vorwürfe nicht und beschuldigt Kamb im Gegenzug, nur von einer HP-Klage gegen ihn ablenken und diese verzögern zu wollen. HP hatte seinerseits Klage gegen Kamb, weitere ehemalige Mitarbeiter und das LCD-Unternehmen Byd:sign eingereicht.
Kamb und andere hätte das Unternehmen während ihrer Zeit bei HP gegründet und Kontakte, Ressourcen und Firmengeheimnisse für das Konkurrenzunternehmen genutzt. Ein weiterer Vorwurf lautet, Kamb habe HP-Forschungsgelder zugunsten von Byd:sign umgeleitet.
Der interne Spionageskandal
All das kommt nur wenige Monate, nachdem ein interner Spionageskandal bei HP aufgedeckt worden war: Anfang September war bekannt geworden, dass Privatdetektive im Auftrag von HP unter falschem Namen die Daten von privaten Telefonaten von Mitgliedern des Gremiums sowie von Journalisten beschafft hatten.
Sie sollten herausfinden, wie interne Überlegungen des Verwaltungsrats an die Presse kommen konnten.
Infolge des Skandals waren die Aufsichtsratsvorsitzende Patricia Dunn und der Direktor für Ethikfragen, Kevin Hunsaker, zurückgetreten. Mittlerweile wurde gegen beide Personen Klage eingereicht.
(futurezone | CNet)
