Datenschützer feiern leise
Die britischen Datenschützer von Privacy International [PI] und anderen Organisationen werden den heutigen 100. Geburtstag George Orwells schlicht begehen.
Tagsüber begibt man sich nach Sutton Courtenay in Berkshire, um an George Orwells Grab einen Toast auf den Mann auszubringen, der "ebenso bedeutend wie inspirierend für uns war", sagte Simon Davies, Direktor von PI.
Am späten Nachmittag wird in Orwells Stammlokal Newman Arms Pub ein weiterer Toast ausgebracht, danach kehrt der Tross aus Datenschützern, Professoren der London School of Economics [LSE] und Journalisten in Orwells bevorzugtem Restaurant daneben ein.
Nach Feiern sei den Datenschützern angesichts der Überwachungswelle in England nicht zu Mute, schreibt Davies. Und so gemütlich, wie es den Anschein habe, werde der Tag nicht werden, es sei nämlich an der Zeit, zu anderen, neuen Maßnahmen zu greifen.
Was der renommierte Datenschützer unter "neuen, kontroversiellen Taktiken" und "aktivem zivilem Ungehorsam" gegen biometrische Methoden in kommenden EU-Pässen wie auch im Alltag versteht, wird Mittwochmittag in der fuZo zu lesen sein.
Vor wenigen Wochen hatten PI und die "Foundation for Information Policy Research" an der LSE eine Studie vorgestellt, die zeigt, welches Ausmaß die automatisierte Kontrolle der Telefonienetze mittlerweile erreicht hat.
Kernaussage der Studie
Im Jahr 2002 haben sich Großbritanniens Polizei und andere
Behörden die [teilweise kompletten] Datensätze von knapp einer
Million Kunden verschiedener Telekom-Betreiber liefern lassen. Diese
teils Jahre zurückreichenden personenbezogenen Datensätze wurden
direkt in Datenbanken der Nachrichtendienste importiert, denn die
operative Überwachung fällt ganz offiziell in deren Kompetenz.
Die "Scrambling for Safety"-KonferenzDie Big Brother Awards
Parallel zur Überwachung wachsen freilich auch die Proteste dagegen, die von George Orwell inspirierten"Big Brother Awards" [BBA] sind weltweit das bedeutendste einschlägige Event.
Koordiniert von Privacy International werden in mittlerweile 13 Ländern jene Preise verliehen, die von den Ausgezeichneten sehr ungern angenommen werden.
Bigbrotherawards.orgHotspot im MQ ab 19.00 Uhr
In Österreich, wo am 26. Oktober [am Tag, als Orwell "1984" beendete] die BBAs bereits zum fünften Mal vergeben werden, wird der Anlass teils virtuell begangen.
Man trifft sich am Mittwoch ab 19.00 im mittleren Innenhof des Museumsquartiers [rund um den Teich] und loggt sich mit Notebook und WLAN-Card in den "q/spot" ein.
Wiens erster öffentlicher WLAN-Hotspot, der gratis und anonym zugänglich ist, nimmt seinen Betrieb zu George Orwells hunderstem Geburtstag vorerst einmal für sechs Monate auf.
So sieht das Login des q/spots aus
