23.06.2003

A LA CARTE

Bildquelle: Corbis/ ORF.at

Musiker gegen Einzeldownloads

Obwohl die Plattenstudios in letzter Zeit dank innovativer Services wie Apples iTunes Music Store erstmals Erfolge beim Vertrieb von Musik über das Internet feiern, weigern sich einige Musiker weiterhin standhaft, ihre Musik stückweise freizugeben.

Statt Einzeldownloads bestehen sie auf den ausschließlichen Verkauf ihrer Musikstücke in Form von ganzen Alben.

Die melodienlastigen Metal-Rapper von Linkin Park etwa zogen laut Billboard.com erst kürzlich ihre Songs, aus Sorge um den Album-Absatz, aus den Online-Plattengeschäften zurück.

Auch andere Künstler wie die Gitarrenband Radiohead, Altmeisterin Madonna, Folkrockerin Jewel und die Punkrocker von Green Day, geben ihre Titel nur unter der Auflage des Paketkaufs frei.

"Tod des Gesamtkunstwerks"

Künstler wie Musikindustriemanager zeigen sich besorgt über die kreativen und finanziellen Auswirkungen des Single-basierten Verkaufsmodells.

"Die Künstler fürchten, dass das sorgfältig zusammengestellte Album als Gesamtkunstwerk schon bald der Vergangenheit angehören und somit für immer verloren gehen wird", erklärt Anwalt Fred Goldring, der unter anderem Mainstream-Rapper Will Smith und Rockerin Alanis Morissette vertritt.

Würden die Kunden nur noch "Hits" erwerben, würde sich das naturgemäß auch auf das Einkommen der Musikindustrie auswirken. Statt wie bisher zwölf bis 18 USD für eine CD, müssen sich Label, Künstler und Songwriter künftig magere 99 US-Cent Einnahmen pro Download teilen.

Wer wie viel an Musik-Downloads verdient

Digitale Musikstücke kosten die Labels weniger in der Produktion und der Verbreitung, doch wie viel bekommen die Künstler vom fetten Kuchen der MP3-Einnahmen?

Der größte Anteil der Einnahmen [etwa 40 Prozent] geht an den Betreiber der Download-Musikplattform wie etwa Apple, Listen.com, Musicnet und Rhapsody, oft werden die Services als Gemeinschaftsprojekt verschiedener Plattenlabels geführt.

Weitere acht Prozent gehen an den Musikverleger zur Lizenzierung der geschriebenen Musik.

Den zweitgrößten Anteil streifen die Plattenlabels mit satten 30 Prozent ein. Diese "performance royalties" müssen zur Lizenzierung der fertigen Aufnahmen bezahlt werden.

Ungefähr zehn Prozent fließen zudem in die Taschen verschiedener Zwischenhändler wie etwa Amazon und AOL.

Den Rest von durchschnittlich zwölf Prozent kassieren die Künstler, je nach Popularität und Verhandlungsgeschick kann dieser Anteil variieren.

In einigen Fällen werden noch etwa vier Prozent für "Verpackung" und Promo-Kopien vom Künstlerverdienst abgezogen. BMG, Universal und Warner haben aber angekündigt, diese Kürzungen bei digitalen Downloads zu unterlassen.