Keine Kartellprobleme für Oracle
Die geplante feindliche Übernahme von PeopleSoft durch Oracle hat nach Einschätzung von Kartellrechtsexperten gute Chancen auf eine Genehmigung durch die US-Wettbewerbshüter.
Diese dürften allerdings ihre Billigung an die Forderung knüpfen, dass sich der Oracle-Konzern vor der Fusion zumindest von einem Software-Bereich trennt, sagen auf Wettbewerbsrecht spezialisierte Anwälte.
So müsse Oracle womöglich die Präsenz auf dem US-Markt auf Software für den Personalbereich eingrenzen, da dort auch PeopleSoft eine starke Position innehabe. Lasse sich Oracle darauf ein, könne das Unternehmen die Kartellwächter voraussichtlich davon überzeugen, dass das Zusammengehen mit dem Übernahmekandidaten dem Wettbewerb nicht schade.
Oracle hatte zuletzt seine Offerte für PeopleSoft auf insgesamt 6,3 Milliarden USD erhöht. Oracle will mit der angestrebten Akquisition der deutschen SAP in deren Kerngeschäft Unternehmenssoftware stärker Konkurrenz machen. Denn PeopleSoft ist ähnlich wie SAP auf betriebswirtschaftliche Standardsoftware spezialisiert.
Oracle wirft PeopleSoft Täuschung vorÖffentlicher Streit
Das Führungsgremium von PeopleSoft hatte auch das nachgebesserte Angebot abgelehnt und das mit dem ungewissen Ausgang der kartellrechtlichen Prüfung begründet sowie der erklärten Absicht von Oracle, die Software-Errungenschaften von PeopleSoft auf die eigenen Produkte zu übertragen.
Das PeopleSoft-Board hält Oracle vor, PeopleSoft-Produkte einstellen und damit PeopleSoft-Kunden zu einem Wechsel zu Oracle zwingen zu wollen. Orcale hatte diesen Vorwurf als Täuschungsstrategie zurückgewiesen und angekündigt, noch mindestens zehn Jahre lang PeopleSoft-Produkte zu entwickeln und zu verbessern.
Die PeopleSoft-Führung hatte den Übernahmeversuch als wettbewerbsfeindlich kritisiert und Klage dagegen eingereicht. Oracle reichte daraufhin seinerseits Klage gegen die von PeopleSoft geplante Übernahme von J.D. Edwards im Volumen von 1,75 Milliarden USD ein.
Eine weitere Klage gegen Oracle strengte der Justizminister des US-Bundesstaats Connecticut an. Auch er macht dabei drohende Kartellverstöße geltend. Connecticut hat mit PeopleSoft einen Vertrag über 100 Millionen USD abgeschlossen, wonach das Unternehmen die staatseigenen Computersysteme auf den neusten Stand bringen soll. Der Bundesstaat befürchtet nun, dass eine Fusion zu höheren Preisen und außerdem dazu führen könnte, dass PeopleSoft-Kunden ihre Software durch Produkte anderer Hersteller ersetzen müssen.
Der Knackpunkt
Rechtsexperten zufolge ist eine entscheidende Frage, ob Oracle tatsächlich die Entwicklung von PeopleSoft-Produkten stoppen will. Dann wäre die Übernahme "nur der Versuch, einen Konkurrenten auszuschalten", sagt ein Anwalt.
Oracle selbst wird dagegen vermutlich geltend machen, dass es auch nach dem PeopleSoft-Erwerb noch ausreichend Konkurrenz auf dem Markt geben werde.
So hatte der weltgrößte Softwarehersteller Microsoft erst kürzlich zwei Unternehmenssoftware-Spezialisten aufgekauft.
