ESA will keine EU-Agentur werden
Die Europäische Raumfahrtagentur [ESA] will nicht Teil der EU werden: "Wir wollen eine Partnerschaft und nicht ein feindliches Übernahmeangebot", betonte der scheidende ESA-Generaldirektor Atonio Rodota.
Für eine engere Kooperation zeigt sich die ESA allerdings jederzeit bereit. Die EU könne "sofort" offiziell Mitglied der ESA werden. Eine Änderung der Satzung sei nicht notwendig, internationale Institutionen seien als Partner bereits vorgesehen worden, betonte der ESA-Direktor für Außenkontakte, Jean-Pol Poncelet.
Erstmals arbeiten EU und ESA derzeit bereits beim geplanten europäischen Satelliten-Ortungssystem Galileo zusammen.
Vergangenen Montag haben die beiden Organisationen ein gemeinsames Unternehmen mit dem Namen "Galileo Joint Undertaking" gegründet, an dem sie jeweils zu 50 Prozent beteiligt sind. Aufgabe des Unternehmens ist die Weiterentwicklung von Galileo bis zu seinem Start und die Gewinnung von zusätzlichen privaten Mitteln.
Ein Chef für die EU-SatellitennavigationPolitische Impulse gefragt
Die ESA brauche die Partnerschaft mit der EU, um einen breiteren Blick auf das weitere Vorgehen zu erhalten. Die Raumfahrtagentur könne nur die technische Strategie vorgeben, die politischen Impulse müssten von der EU kommen.
Eine gemeinsame Vorgehensweise in der Verteidigung etwa könne nur im Rahmen der Union vorangetrieben werden, betont man bei der ESA.
Eine komplette Integration in die EU lehnt die ESA aber ab. Das würde bedeuten, "das Rad neu zu erfinden", meint Rodota.
Die ESA habe eine erfolgreiche Finanzierungsmethode entwickelt, bei der sich jeder Mitgliedsstaat entsprechend seinen Interessen an jeweiligen Projekten beteiligen kann und bei der vor allem mindestens 90 Prozent der eingezahlten Summe als Aufträge an die Wirtschaft wieder in das jeweilige Land zurückfließen. Ein solches System sei in der EU nicht möglich, betont man in der ESA.
Die 1975 gegründete ESA hat insgesamt 15 Mitgliedsländer, die sich weitgehend mit jenen der EU decken. Lediglich Griechenland und Luxemburg sind keine ESA-Staaten, dafür sind Norwegen und die Schweiz mit dabei. Das Gesamtbudget der ESA liegt 2003 bei rund 2,7 Mrd. Euro. Österreich trägt dazu heuer 29,4 Mio. Euro bei.
ESAHintergrund
Ärger hat bei der ESA der jüngste Vorstoß in der geplanten EU-Verfassung ausgelöst, wonach die Strategie der Weltraumforschung als Teil von Forschung und Entwicklung durch Gemeinschaftsentscheidungen in der EU festgelegt werden soll.
Nach Ansicht Rodotas gibt es mit der ESA in Europa bereits eine Institution, die für Raumfahrtstrategie zuständig ist. Es scheine so, als ob die EU die Weltraumforschung gerade eben neu erfinde. 35 Jahre Arbeit der ESA würden damit ignoriert, kritisiert der Generaldirektor, der bei den EU-Staats- und -Regierungschefs zumindest auf eine Erwähnung der ESA in der künftigen EU-Verfassung drängen will.
Auch die Tatsache, dass Weltraumforschung als Teil der generellen Forschung und Entwicklung betrachtet werde, lehnt Rodota ab. "Was Europa braucht, ist keine neue Weltraumforschung, sondern neue Weltraumanwendungen", sagt der ESA-Chef.
