China vergibt Lizenzen für Netzcafe-Ketten
Die chinesische Regierung hat an zehn zumeist staatliche Unternehmen Lizenzen für den Betrieb von Internet-Cafe-Ketten vergeben. Nach Ansicht von Analysten wollen die Behörden auf diese Weise die Kontrolle über politische Inhalte im Internet verstärken.
"Wir wollen das Geschäft mit Internet-Cafes antreiben, indem wir den Betrieb von Ketten ermutigen", sagte ein Vertreter des Kulturministeriums. Lizenznehmer müssten mindestens 20 Internet-Cafes in zwei Städten oder Provinzen eröffnen.
Ziel sei keineswegs, private Anbieter zu begrenzen, so der Sprecher weiter. 95 Prozent der 110.000 Internet-Cafes im Land würden von Privatfirmen betrieben.
Die Lizenznehmer
Einer der Lizenznehmer, das China Audio-Visual Publishing House,
plant demnach die Eröffnung von 50.000 Internet-Cafes in 40 Städten
innerhalb von drei Jahren. Das Unternehmen ist dem Kulturministerium
angegliedert. Weitere Lizenzen erhielten zwei weitere zu dem
Ministerium gehörige Unternehmen sowie die Staatsfirmen Great Wall
Broadband Network Service und China United Telecommunications.
Peking schließt Internet-CafesVorwand, um Kontrolle zu verschärfen
Analysten und private Betreiber vermuteten, die Regierung wolle mit der Lizenzvergabe kleinere Anbieter vom Markt drängen und die Kontrolle über das Internet verschärfen.
"Wenn man Internet-Cafe-Ketten aufbaut, ist es einfacher zu überprüfen, was im Internet angesehen oder versendet wird", sagte Nathan Midler, Analyst bei IDC Asia Pacific.
So müssten die Lizenznehmer die Namen von Nutzern registrieren. Auf diese Weise lasse sich zurückverfolgen, wer etwa eine politisch unliebsame Nachricht über das Internet versendet habe.
Politische Themen blockiert
Die chinesische Regierung durchsucht Internet-Inhalte nach
politischen Reizwörtern, die etwa im Zusammenhang mit der verbotenen
Falun-Gong-Bewegung oder dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen
Friedens 1989 stehen. Ausländische Internet-Seiten und die Suche
nach politisch sensiblen Themen werden regelmäßig gesperrt.
China mit schärfster NetzzensurWert von 10,3 Mrd. Euro
Nach Angaben staatlicher Medien umfasst der chinesische Internet-Sektor einen Wert von rund 100 Milliarden Yuan [rund 10,3 Mrd. Euro].
Die Vergabe weiterer Lizenzen sei gegenwärtig zwar nicht geplant, Bewerbungen ausländischer Firmen um Lizenzen seien aber grundsätzlich willkommen, teilte das Kulturministerium mit.
