Demo gegen Le Pen in "Second Life"
Im Online-Spiel "Second Life" haben einige Spieler mit Plakaten vor der virtuellen Niederlassung der rechtsextremen französischen Partei Front National und gegen deren Parteichef Jean-Marie Le Pen demonstriert.
Wie die zur französischen Tageszeitung "Liberation" gehörende Website Ecrans berichtet, versammelten mehrere Spieler ihre virtuellen Figuren vor dem Front-National-Gebäude in der Online-Simulation.
Auf den Bildern ist ein halbes Dutzend "Demonstranten" vor der Parteizentrale mit Protestplakaten zu sehen.
"Wie im richtigen Leben"
Darauf war Le Pen mit einem Hitler-Bart über dem Text "Ban the FN - Out of SL" ["Verbannt die FN - raus aus S[econd] L[ife]"] abgebildet.
"Die Demonstration hat in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag mehrere Stunden gedauert", sagte Protest-Initiator Nicolas Mircovich laut Ecrans. "Ich war überrascht, dass sich die Leute mit den Plakaten wie bei einer echten Streikkette im richtigen Leben ablösten."
Die FN-Jugendorganisation aus dem Departement Moselle hatte Ende 2006 eine Niederlassung in "Second Life" eingerichtet, um Werbung für die Kandidatur Le Pens bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr zu machen. Der Auftritt solle "eine Auslage der Partei für die Franzosen und das Ausland sein".
Plakate inzwischen verboten
Die FN habe inzwischen bei der Spielleitung ein Verbot der gegen Le Pen gerichteten Plakate erreicht. Mircovich verteilt jetzt mit seinem "Second Life"-Ebenbild akustische Anti-FN-Slogans an Passanten, die diese in der Nähe der FN-Zentrale skandieren sollen.
Mircovich erzählte, er sei auf die Idee mit der Protestaktion gekommen, als er zum ersten Mal auf die FN-Zentrale in dem Spiel gestoßen sei.
Großdemo geplant
"Ich habe vier Typen in FN-T-Shirts gesehen, die mit Kindern von 15 Jahren diskutierten und sie anwerben wollten", sagte er "Das hat mich wütend gemacht." Die FN-Werber seien in dem Spiel "immer anwesend, selbst um 4.00 Uhr", und sehr geschickt.
Mircovich hofft, dass die Anti-FN-Gruppe in "Second Life" von zurzeit "30 auf 300 Leute" anwächst, um eine Großdemonstration zu veranstalten.
"Second Life" wurde von der kalifornischen Firma Linden Lab geschaffen. Derzeit "leben" gibt es mehr als 2,5 Millionen Avatare in der dreidimensionalen Simulation, bei der Spieler über eine eigene Währung auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Kleidung und Immobilien erwerben können.
(AFP)
