EU-Anti-Terror-Koordinator für Nacktscanner

KONTROLLE
08.01.2010

Einsatz aber nicht auf allen Strecken

Der Anti-Terror-Koordinator der Europäischen Union, Gilles de Kerchove, hat sich gegen einen flächendeckenden Einsatz der umstrittenen Nacktscanner auf europäischen Flughäfen ausgesprochen. "Man sollte die Geräte nicht unbedingt systematisch für alle Passagiere auf allen Strecken einsetzen", sagte De Kerchove der "Financial Times Deutschland" ("FTD", Freitag-Ausgabe).

Die Sicherheitsbehörden könnten "bestimmte Flüge aussuchen und deren Passagiere scannen und vielleicht einen Teil der anderen Fluggäste". Der große Rest der Passagiere könnte damit nach De Kerchoves Vorstellungen weiter kontrolliert werden wie bisher.

Einsatz befürwortet

Grundsätzlich befürwortet De Kerchove den Einsatz von Nacktscannern. "Wenn der Schutz der Privatsphäre gewährleistet ist, die Datenschutzrechte beachtet werden und die Geräte effizientere und effektivere Kontrollen ermöglichen, wäre ich für eine schnelle Entscheidung", sagte er der Zeitung. Es sei dann "wünschenswert", dass die EU-Kommission einen Vorschlag mache.

Der EU-Koordinator warnte vor dem zunehmenden Drang regionaler Ableger der Terrororganisation Al-Kaida, international tätig zu werden. "Die Bedrohung hat sich verändert", sagte De Kerchove. Al-Kaida selbst sei schwächer geworden, ihre Ableger in Nordafrika und dem Jemen erstarkt. Die EU solle sich deswegen stärker im Jemen engagieren, forderte der Terrorexperte. "Wir sollten unsere bestehenden Hilfen im Jemen verstärken und beim Aufbau von Polizei, Justiz und Nachrichtendiensten helfen."

Zudem forderte De Kerchove eine bessere Vernetzung nationaler Anti-Terror-Zentren untereinander. Auch ein verstärkter Austausch von Informationen zwischen der EU und den USA sei nötig. Ein zuletzt diskutiertes formales Komitee von Anti-Terror-Spezialisten auf EU-Ebene lehnte er ab.

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(AFP)