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Content ist König - hoch lebe das Volk!

NETZTEILE
02.01.2010

Springer und Murdoch haben genug von gierigen Freeloadern, die sich an ihren Qualitätsinhalten vergreifen. 2010 soll das Jahr der Bezahlinhalte werden. Nun müssen die User endlich bluten. Aber wofür? Für den Wetterbericht? Und bekomme ich mein Geld zurück, wenn die Berlusconi-Fotos nicht blutig genug sind?

2009 war es wieder nichts mit dem großen Durchbruch. Digitale Medien lebten in den letzten Jahren wie ein untreuer Ehemann von Versprechen des Kalibers "Ich werde mich bessern". Und die angesagten drei Megatrends für die kommenden Monate werden sicher auch wieder lustig. Eine Betrachung zu Jahreswechsel in drei Teilen und zur Erholung ohne Links.

Gut, eigentlich hat man es ja auch satt: stundenlang Seiten mit kostenlosem Inhalt im Web abzusurfen und dabei einen Verschleiß an Energie, Zeit und Hirnzellen zu riskieren, ohne auch nur einen müden Euro dafür zu zahlen. So kann es 2010 nicht weitergehen.

Wenn da nichts gezahlt wird, dann hat man auch kein Gefühl der Grenze mehr. Und der Nervenkitzel fehlt. Man stelle sich nur einmal die Website mit dem Titel "Die wahren Hintergründe - warum Jörg Haider schon tot losgefahren ist" vor, und dann könnte man einfach gratis weiterklicken. So wäre das einfach nichts wert. Viel spannender wäre es doch, nach einem Klick auf die Meldung mit einem Pop-up konfrontiert zu werden: "Wollen Sie jetzt weiterlesen und mehr Geld dafür ausgeben, als Sie Ihren Kindern im Jahr an Taschengeld überlassen?" Ein schlichtes Ja würde den wahren Spieler in uns wecken. Aber so: Klick, lesen, mhmm, ist doch fad.

Geld-zurück-Garantie

Content, der etwas kostet, macht den Genuss der Medien wieder vollkommen. Allerdings müsste dann auch eine Geld-zurück-Garantie eingeführt werden. Ich mag eigentlich nicht für einen Wetterbericht zahlen, der wieder so genau und wahr war wie die Einschätzung der Finanzkrise durch die Experten aus dem Finanzressort. Und ich würde gerne durch das Bezahlen von bestimmten Überbeträgen meinen Lieblingen im Parlament mehr Redezeit kaufen. Das müsste sich doch interaktiv gestalten lassen können.

Falschmeldungen und tolle Headlines, hinter denen sich aber doch wieder nur eine weitere Bank im Bankrott verbirgt, würde ich gerne auch zurückgeben. Schließlich kann ich jede dahergelaufene Hose ins Geschäft zurückbringen. Warum dann nicht auch meinen RSS-Feed? Eben.

Verdienen nach der Klondike-Methode

2010 wird ein wunderbares Jahr voller Trends im Netz, die wieder nicht das große Geld bringen werden. Das heißt, ein wenig Geld bringen sie schon - nur denen, die es wieder schaffen, den Glauben an das große Geld bei den ahnungslosen Massen zu wecken. Dann verdienen ein paar wenige und die Hoster und Software-Anbieter. So wie es schon am Klondike war: Levi Strauss und Seattle als Stadt haben profitiert. Nur die wenigsten Goldschürfer sind fündig geworden.

Wenn also 2010 Maschinen mit Maschinen reden und einander dabei erzählen, wer mit wem erkennbar herumgemacht hat, dann kann man dafür auch Geld verlangen und wird am Ende des Jahres sagen: "Schön, aber im Großen und Ganzen kam auch nicht mehr heraus als 1996, als ich meinen Kiosk am See aufgegeben habe, um im Cyberspace reich zu werden ..."

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(Harald Taglinger)