Das Internet der Kühlschränke
Nicht nur Menschen, sondern auch Gegenstände sollen übers Netz miteinander kommunizieren, der Kühlschrank mit der Milchflasche reden. Dabei haben die sich schon seit Jahren nichts mehr zu sagen. Und doch werden sie die letzten Bewohner des Internets sein. Teil 1 von 3 über IT-Megatrends 2010.
2009 war es wieder nichts mit dem großen Durchbruch. Digitale Medien lebten in den letzten Jahren wie ein untreuer Ehemann von Versprechen des Kalibers "Ich werde mich bessern". Und die angesagten drei Megatrends für die kommenden Monate werden sicher auch wieder lustig. Eine Betrachtung zu Jahreswechsel in drei Teilen und zur Erholung ohne Links.
Neulich kam ich nachts an meinem Kühlschrank vorbei. So ein modernes Dings mit einer Menge an digitalem Bums drin. Da drin soll jetzt alles mit allem kommunizieren und mir bald auch nach dem nächsten Update die wichtigsten Erkenntnisse daraus via Twitter mitteilen. Die Zukunft wird herrlich. Leider hatte ich aber Durst. Ganz altmodisch, sofort und noch im Halbschlaf.
Als ich die Türe aufriss, konnte ich gerade noch beobachten, wie mein Hüttenkäse mit der Cola plauderte und ihr alten Quark aufband. Dann sahen mich die beiden, zuckten zusammen und erstarrten. Aber als ich die Cola aufschraubte und sie gerade mit deutlicher Leerabsicht an meinen Mund führen wollte, konnte ich am Display in letzter Sekunde noch lesen: "Tu es nicht! Sie ist doch noch so jung abgefüllt und keine drei Tage hier."
Super, jetzt hatte sich wieder das Dressing, der alte Plapperhengst, eingemischt und spielte den Helden. Und ich hatte den Salat. Wer will noch den Geschmack nach Zitronen genießen, wenn man damit das Leben von wehrloser Kohlensäure aushaucht. Eben. Es ist einfach nicht nett mit diesem Internet der Dinge.
Wenn jeder jedem semantisch kommt, dann kommt man als Mensch nicht mehr mit und wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Aber der Trend ist da, da soll es hingehen. Maschinen reden mit Maschinen, und das Internet soll das alles übermitteln. Maschinen reagieren, wenn Milchtüten melden, dass sie leer sind.
Und die Warenlager schnurren, bis einer das erste Machine-to-Machine-Phishing lostritt und wir auch nicht so genau wissen, wer in der Wohnung nun die Lieferung mit den 1.200 Klobürsten in Froschgrün losgetreten hat. Aber bestellt ist dann bestellt. Da hilft kein Mail-Reply.
Egal. Erst wenn das Internet of Things mit Spam durchseucht ist, wird die Sache wieder lustig und der Trend abgeblasen. So wie Facebook keiner mehr leiden kann, seit 70 Millionen im Monat ein doofes Farmspiel klicken ... und das leider auch noch allen automatisch mitteilen müssen. Aber davon nächste Woche.
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(Harald Taglinger)
