Uni Linz schreibt Software für EU-Großteleskop
Wissenschaftler der Linzer Johannes-Kepler-Universität (JKU) haben einen Auftrag zum geplanten Bau eines europäischen Riesenteleskops erhalten. Sie werden die Software für die Korrektur seiner Spiegel entwickeln, die bessere astronomische Beobachtungen ermöglichen soll.
Der im Vorjahr erfolgte Beitritt Österreichs zur Europäischen Südsternwarte (ESO) hat den heimischen Wissenschaftlern etliche Forschungsaufträge eingebracht. Unter anderem geht es um die Planung und Errichtung des European Extremely Large Telescope (E-ELT), das 2018 in Betrieb gehen soll.
Es wird das weltweit größte für Beobachtungen im Bereich des sichtbaren und des Infrarotlichts sein, auch deutlich größer als zwei weitere derzeit in Planung befindliche Großteleskope, das amerikanische 30-Meter-Teleskop (Thirty Meter Telescope) und das Giant Magellan Telescope.
Der 42-Meter-Spiegel des E-ELT wird aus rund 1.000 sechseckigen Segmenten zusammengesetzt werden, die je 1,4 Meter breit und fünf Zentimeter dick sind. Dieser modulare Aufbau ermöglicht die Massenfertigung der benötigten Einzelteile, die zu einer deutlichen Kostenreduktion führt.
Scharfe Bilder dank Software
Die Linzer Wissenschaftler entwickeln für das Riesenfernrohr die Software für die ständig erforderliche Korrektur der Spiegel. Denn bei der Aufnahme von astronomischen Bildern mit Teleskopen muss das Licht zunächst die Atmosphäre durchqueren. Dabei kommt es aufgrund von Turbulenzen in der Atmosphäre, die etwa durch Temperaturunterschiede hervorgerufen werden, zu einem Qualitätsverlust der Bilder.
Um die Qualität zu verbessern, ist es notwendig, die biegbaren Spiegel des Teleskops so zu deformieren, das alle Objekte scharf zu sehen sind. Die Herausforderung besteht darin, die Spiegel so zu steuern, dass das Bild möglichst scharf wird.
Das vierjährige, mit über zwei Millionen Euro dotierte Projekt wird vom Professor am Institut für Industriemathematik der JKU, Ronny Ramlau, koordiniert. Es handelt sich um eine Kooperation des Institutes für Industriemathematik, des Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics (RICAM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Linz) und des Industrial Mathematics Competence Center (Linz).
Suche nach dem richtigen Standort
Das E-ELT - es soll auch 15-mal schärfer sehen können als das Weltraumteleskop "Hubble" - soll den ersten Nachweis eines erdähnlichen Planeten, auf dem sich Leben bilden könnte, erbringen und "Sternarchäologie" betreiben, indem es in Nachbargalaxien Eigenschaften der ersten Sterne und Galaxien sowie Dunkler Materie und Dunkler Energie erforscht.
Über den genauen Standort des Teleskops ist noch keine Entscheidung gefällt worden. Infrage kommen hoch gelegene, trockene Regionen, die optimale Beobachtungsbedingungen bieten. Eine Projektgruppe untersucht derzeit geeignete Orte in Argentinien, Chile, Marokko und Spanien. Ihre Stellungnahme wird für Ende 2009 erwartet. Die Entscheidung für einen Standort soll 2010 fallen.
(APA)
