Herzbuben im Breitbildformat
Aufgewachsen mit einem Sender und sonst nur Rauschen auf allen Kanälen, wollen wir Videos heute nicht nur auf YouTube finden. Es ist Zeit für Spartenserver im Netz. Aber das hat so seine Tücken. Umpapah!
Was für eine Vorfreude, endlich trauen sich Musikgiganten wie Universal aus dem Schatten von MTV und YouTube. Endlich schaffen sie mit Vevo ein Musikvideoportal. Weltweit. Das Internet. Wie wunderbar. Nach Hulu und ähnlich geistreichen Markennamen nun auch noch eine Alternative zum ewigen Download bei Google (wobei auffällt, dass man mittlerweile wie ein Kleinkind lallen muss, wenn man über das Internet spricht ... Hulu, Vevo, Google, Dada). Nun ist Vevo zwar im "Net", allein: Es ist nicht "inter".
Denn wenn man nicht gerade in den USA lebt, dann sagt einem ein sehr humorlos anmutendes Fenster im Browser nur, dass man sich eben nicht in der Vereinigten Staaten befinde. Und deshalb dürfe man weder Hulu noch Vevo sehen. Netzvideo ist eben nur was für echte Kerle auf breiten Straßen.
Aber so wird das nie etwas. In Europa tut sich immerhin inzwischen ein wenig im Bereich Hopsassa und beballert uns auf Wunsch mit Frohsinn. Immerhin ein Anfang. Wildecker Herzbuben in Full HD und im Format 16:9. Eine Technik, die ihre Anwendung gefunden hat. Für den, der es mag.
Vermutlich werden aber bald auch diese Spezialangebote auf YouTube zu finden sein. Dann verlottert der Klickstadel für Volksmusik im Netz. Und Google wird nur noch solche User Videos sehen lassen, die in einem ganz bestimmten Tiroler Seitental oder in Brooklyn wohnen. Das kommt ganz auf die Musikrechte an. Diese Rechtehaberei und -nichthaberei führt dazu, dass nur noch ganz wenige Menschen Musikvideos im Netz ordentlich lizenziert zu Gesicht bekommen können. Vermutlich wird es eh bald Browser mit festverdrahtetem Regioncode geben. Dann ist das Problem auch wieder vom Tisch.
Übrigens steht Vevo gar nicht gegen YouTube. Nein, es wird durch YouTube erst ermöglicht! Ein Schlag ins Gesicht der freien Marktwirtschaft. Am Ende gibt es im Netz gar keine wirklichen Alternativen mehr, weil alle Angebote auf ein- und derselben Plattform laufen. Wir fühlen uns wie arme Durstige vor einem Getränkeautomaten, der uns nur noch die Wahl zwischen pappigen Getränken in den Geschmacksrichtungen "Koffein mit viel Zucker, "Orange mit viel Zucker" und "Zitrone mit verdammt viel Zucker" lässt. Ach ja: Wasser gäbe es auch noch, da fehlt dann einfach der Geschmack. Und alles kommt aus einer einzigen Fabrik.
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(Harald Taglinger)
