Zeit sparen ohne Computer
Wenn Computer nicht täglich Zeit sparen helfen und damit die Effizienz in Heim und Betrieb erhöhen, dann sind sie nicht mehr als bloße Spielzeuge. Neu ist diese Erkenntnis nicht, auch wenn sie sich im Alltag noch nicht durchgesetzt zu haben scheint.
Dazu kommt es nämlich viel zu häufig vor, dass Computerprogramme gar nicht für die Kunden, sondern für ihre Administratoren hergestellt werden und am Ende gar kein Geld sparen. Was sparen Sie dann? Nichts, denn Computer sind von Haus aus zeitfressende Spielzeuge, die so gut im Arbeitsleben versteckt sind, dass sie sogar in die Firmenbuchhaltung Einzug hielten. Als "SAP" beispielsweise, was ausgeschrieben angeblich nichts weiter heißt als "Spielen am 'Puter".
Privat würde mir das nie passieren. Da bin ich klar und konzentriert. Computer bekommen bei mir nur Strom, wenn sie mein Zeitbudget verbessern. Zum Beispiel, indem ich endlich aus meinem iPhone ein Videophone mache, und zwar eines, das mein Telefonat beschleunigt. Nur ich allein bin zu sehen, die Mama am anderen Ende kriegt erst gar kein Bild. Das macht flott. Zugegeben, wie soll ich denn auch sonst die Kamera auf die andere Seite des Telefons kriegen, ständig hin und herdrehen wie ein Kippbild, das kann es ja auch nicht sein. Nein, ein Kanal reicht. Tolle Erfindung. Gratulation an Fring.
Zeit sparen. Das gibt mir endlich wieder Zeit, mehr dieser wichtigen Mash-ups auszuwerten, die mich im Leben wirklich weiterbringen. So ist die Verbrechensrate in Australien ein nicht von der Hand zu weisender Trumpf im Umgang mit dem heimischen Täter. Noch während ich nachts zusammengeschlagen werde, kann ich dann mit einem "Ach, laut Statistik sind wir jetzt mit Nord-Townsville vergleichbar" meinen Gegner verwirren. Ein "Schlag mir fester in die Goschn, 34% aller Verbrechen in Sydney gehen so los", lässt ihn dann meistens von mir weglaufen. Computer sparen Zeit und damit Eckzähne.
Schneller komme ich nur noch mit Nutzwertprogrammen dieser Art zum Zeitziel. In nur wenigen Stunden hatte ich gestern meinen Stammbaum entworfen, den ich gehabt hätte, wenn nicht der Zweite Weltkrieg den Onkel meines Großvaters dazu verleitet hätte die zweite Cousine seines Schwagers ... aber das steht ja alles im Stammbaum von vorgestern. Wichtig ist, dass Information immer wieder aufbereitet wird, sonst trägt sie kein Wissen in sich und verschlingt nur Zeit.
Eine Effizienzsteigerung kann ich ja auch nur aufweisen, weil ich seit mehr als einem Jahr alle meine Freunde in Facebook und Xing getagt habe (vermutlich muss ich da noch einmal ran, wenn die wieder redesignen), die Gesichterkennung von iPhoto nach dreimaligem Löschen der Datenbank nun nicht mehr meine Gattin mit dem Dackel meines Nachbarn verwechselt und endlich auch alle Ordner, die auf meinem Computer mit "A" anfangen, ein eigens von mir entworfenes Icon in der Form eines einäugigen Teddybären haben.
Demnächst werde ich die ersparte Zeit nutzen, um in Seattle auf Verbrecherjagd zu gehen. Oder ich ... mal sehen. Vielleicht finde ich ja auch Zeit, das Ding mal auszuschalten.
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(Harald Taglinger)
