"Neustart" bei Elektrokette Niedermeyer

HANDEL
25.11.2009

Neo-Chef Weber plant kleineres Sortiment und mehr Filialen

Bei der Elektrohandelskette Niedermeyer bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Neo-Chef und Miteigentümer Werner Weber will mit dem verstaubten Image des Unternehmens, in das er vor gut drei Monaten mit 30 Prozent eingestiegen war, aufräumen und kündigt einen "Neustart" an. In drei Jahren will der Sanierer mit der traditionsreichen Elektrokette wieder Gewinne schreiben.

Erfahrung mit krisengeschüttelten Betrieben sammelte Weber bei Libro und Pagro, an deren Sanierung er maßgeblich mitarbeitete. Bei Niedermeyer habe er mit der eigenen Beteiligung nun auch erstmals "mehr Verbindlichkeit" übernommen. Als kurzfristiges Engagement sieht der Tiroler seine neue Tätigkeit jedenfalls nicht: "Ich bin gekommen, um zu bleiben", sagte er im Gespräch mit der APA und zeigte durchaus Interesse, bei Gelegenheit seine Anteile auch weiter aufzustocken.

Mit dem "Bauchladen" aufräumen

Weber wolle mit dem "Bauchladen" bei Niedermeyer aufräumen. Das breitgestreute Sortiment soll um ein Fünftel gestrafft werden, die Mitarbeiter besser geschult und der Werbeauftritt neu gestaltet werden. "Ich habe grundlegende Neuerungen geplant, nicht nur kosmetische", betonte Weber mit Verweis auf seine "K&K"-Strategie - Konzentration und Kompetenz.

Niedermeyer konzentriert sich künftig auf die Sortimentsbereiche Computer, Mobilfunk, Foto und Unterhaltungselektronik. Haushaltsgeräte und weiße Ware wird es nicht mehr geben. Vertieft werde dagegen die Auswahl bei Zubehör und Verbrauchsmaterial. Der "freie Raum" soll mit Kompetenz und Service abgedeckt werden. "Für den Kunden ist es doch besser, aus 20 Notebooks auswählen zu können, als aus 100 auswählen zu müssen - verbunden mit Topmarken und guter Beratung", beschrieb Weber die Vorteile von Niedermeyer.

Nahversorger im Elektrohandel

Niedermeyer will sich mit dieser Strategie als Nahversorger im Elektrohandel positionieren. Die Größe der Filialen werde daher unverändert bei durchschnittlich 200 Quadratmetern bleiben. Auch an der Standortstrategie - an Einkaufstraßen, Hauptplätzen und gut frequentierten Einkaufszentren - werde festgehalten.

Beim Personal will der neue Chef zwar nicht sparen, bei der Produktivität der Mitarbeiter sieht Weber aber "erhebliche Potenziale". "Abläufe, die gestern in Stein gemeißelt schienen, werden überprüft. Wenn wir damit zehn Prozent mehr Zeit für den Kunden gewinnen, ist das für mich mehr Produktivität", erläuterte er.

Mehr Filialen

Weber übernahm im August 93 Niedermeyer-Filialen mit 620 Mitarbeitern für einen "noch im sechsstelligen Bereich" liegenden Kaufpreis. In der Zwischenzeit wurde eine neue Filiale in Kapfenberg eröffnet und eine generalsaniert (Donauzentrum).

Derzeit würden die bestehenden Filialen mit Investitionen im einstelligen Millionenbereich auf Vordermann gebracht. Dann soll in neue Standorte investiert werden, in Summe etwa fünf Millionen Euro. Ziel sei es, die Filialzahl wieder dreistellig zu machen, wobei Weber vier bis sechs Neueröffnungen pro Jahr für möglich hält.

Turnaround in drei Jahren

Nach einem Umsatz von knapp 150 Millionen Euro 2008 und einem negativen operativen Ergebnis erwartet Weber heuer weniger Umsatz, bevor sich 2010 dann wieder ein Wachstum einstellen sollte. In drei Jahren will der neue Niedermeyer-Chef auch operativ den Turnaround geschafft und die Umstrukturierung abgeschlossen haben.

Als Berater ist Weber derzeit auch bei einer anderen Unternehmenssanierung tätig - bei der Autozubehörkette Forstinger. Weber sitzt dort im Aufsichtsrat, hat aber keine operative Funktion, wie er betonte. Einer "kleinen Beteiligung" auch an Forstinger wäre Weber aber nicht abgeneigt.

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(APA)