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US-Finanzamt plagt Firefox-Entwickler

ZAHLEN
20.11.2009

Die gemeinnützige Mozilla Foundation, unter deren Ägide der freie Browser Firefox entwickelt wird, hat ihre Finanzdaten für das Jahr 2008 vorgelegt. Die Stiftung überstand bis dahin zwar die Wirtschaftskrise gut, eine langwierige Buchprüfung durch die US-Finanzbehörden sorgt jedoch für Nervosität im Führungsgremium des Projekts.

Mitchell Baker, Vorsitzende der gemeinnützigen Mozilla Foundation, hat am Donnerstag (Ortszeit) die Finanzdaten der Stiftung veröffentlicht. Die Mozilla Foundation ist unter anderem für die Organisation und Entwicklung des freien Web-Browsers Firefox zuständig.

Baker zufolge überstand die Stiftung die Finanzkrise zumindest bis Ende 2008 gut. Der Umsatz stieg in diesem Jahr um rund fünf Prozent auf 78,6 Millionen US-Dollar. Im Langzeit-Investitionsportfolio musste die Stiftung allerdings einen Verlust von 25 Prozent hinnehmen - hier schlug die Finanzkrise zu. Der operative Umsatz hingegen stieg um beachtliche 18 Prozent auf 86,4 Millionen US-Dollar.

Wachstum und Buchprüfung

Allerdings stiegen 2008 auch die Ausgaben, da die Stiftung stark in mehr Personal und bessere Infrastruktur investierte. Die Ausgaben stiegen um 48 Prozent auf 49,4 Millionen US-Dollar. Die Stiftung beschäftigt mittlerweile rund 200 Mitarbeiter weltweit.

Kopfschmerzen bereitet Mitchell Baker die im letzten Jahr eingeleitete Buchprüfung durch das US-Finanzamt (IRS), das feststellen möchte, ob die Mozilla Foundation die Voraussetzungen für eine gemeinnützige Stiftung erfüllt. Dabei geht es unter anderem um die Absetzbarkeit von Spenden, die 2008 allerdings lediglich eine Million US-Dollar betrugen. Das Finanzamt sicherte zwar schriftlich zu, die Mozilla Foundation während der laufenden Untersuchung weiterhin als gemeinnützige Organisation zu behandeln, die Unsicherheit belastet die Firefox-Hüter aber doch: "Wir wissen nicht, wie lange das noch dauern wird", schreibt Baker.

Einnahmen mit Partnerschaften

Die Einnahmen der Stiftung stammen aus Kooperationen mit Partnern wie Google, Yahoo, Amazon, eBay "und anderen", wie es in der FAQ zu den Zahlen für das Jahr 2008 heißt. Als neue Partner konnten die russische Suchmaschine Yandex, Ubuntu-Distributor Canonical und Nokia gewonnen werden. Der allergrößte Teil der Einnahmen stamme, so die Stiftung, aber immer noch aus einem Kooperationsgeschäft mit Google, das noch bis Ende 2011 laufen wird. Wie viel Geld Mozilla 2008 von Google bekam, schlüsselte die Stiftung diesmal nicht auf. 2007 machte das Google-Geschäft noch 88 Prozent des Umsatzes in Höhe von damals rund 75 Millionen US-Dollar aus. Auf die selbst in der FAQ gestellte Frage, wie sich Mozilla breiter aufstellen könnte, antwortet die Stiftung allerdings nur mit wenig konkreten Phrasen.

Als eines der wichtigsten Ziele im Software-Bereich gibt die Stiftung an, die Projekte im Bereich E-Mail - Thunderbird 3 und das neue System Raindrop - weiterentwickeln zu wollen. Zufrieden zeigt sich Mitchell Baker mit der weltweit zunehmenden Verbreitung von Firefox. Die Zahl der Menschen weltweit, die den Browser täglich nutzen, sei von 28 Millionen im Jahr 2006 auf 110 Millionen im November 2009 gestiegen. Die Gesamtzahl der User weltweit belaufe sich auf rund 330 Millionen. Im November 2009 sei der weltweite Marktanteil von Firefox auf 25 Prozent gestiegen. In Europa ist die Firefox-Nutzung mit rund 32 Prozent höher als in den USA (20,2 Prozent).

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