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Weg mit dem Web - her mit MSTwooplebook

NETZTEILE
31.10.2009

Liest man aktuelle Nachrichten über Kooperationen und Merger, dann wird eines schnell klar: Das World Wide Web braucht uns nur noch als Stichwortgeber. Den Rest machen je zwei von jeder Sorte alleine.

Ach, ich liebe solche Kurven. Schon im Dezember vergangenen Jahres sollen mehr als 186 Millionen verschiedene Sites im World Wide Web zu finden gewesen sein. Aber ach: Die aktiven davon zeigen nur einen schüchternen Zuwachs, und auch dieses Jahr wird der Trend ungebrochen sein. Namen, ja, Namen (!) haben sie alle. Mehr, als es Vokabeln in einer Sprache gibt. Wer kennt schon mehr als 13 Millionen Wörter im Deutschen? Gut, Schimpfwörter ausgenommen. Aber für jeden Furz findet man eine Domain.

Dabei ist das im Land der Drucker und Denics nicht besser als anderswo. "Es" ist überflüssig.

Facebook und MySpace befinden sich in ernsthaften Verhandlungen darüber, Inhalte auszutauschen. Da sagt man sich, hat man das gewollt, hatte man sich nicht für eines von beiden entschieden? Und was Microsoft kann, kann Google schon lange, nämlich Twitter durchsuchen. Wozu dann noch Follower, wenn jeder alles liest? Übrigens würde man dort auch gerne mit Microsoft und Apple und Facebook zusammen auf einer Welle schwimmen.

Apple? Richtig, die haben ja die Musik. So wie MySpace. Und Google sucht sie. Microsoft vermutlich auch bald. Ach ja, Google Social Search gibt es auch schon in den Labs. Eigentlich verstehen sich die Kerle inzwischen prächtig untereinander. Ein Markt gehört aufgeteilt, möchte man meinen.

Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Eigentlich ist das Web immer schön durch zwei teilbar. Facebook und MySpace für den Sozialkrempel, Google und Bing für die Suche, Microsoft und Apple für Computer. Der Rest? Ach so, ja, der kann gerne seine Daten in den Social Networks unterstellen. Musik, Nachrichten und Lesen-Schreiben-Huhu-Profile sind gern gesehen. Aber die Vielfalt braucht es nur in der Suchabfrage. Der Einfalt gehört der Markt von morgen. Und die Website-Namen könnnen wir entsorgen.

Das WWW kann ab 2010 getrost MSTwooplebook heißen und Eintritt verlangen. Wir anderen können zuliefern. Das reicht. Nennen wir es die Coca-Pepsiierung des Internets. Vielfalt wie im Getränkeautomaten. Eine Koffeinlimonade, eine mit Zitrone und Orange, ein Wasser still und blubbernd. Ach ja, einen Energydrink bitte. Alles die gleiche Firma. Passt schon. Next medium, please.

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(Harald Taglinger)