Computerspielsucht soll als Krankheit gelten
Therapeuten wollen Anspruch auf Kostenerstattung
Der noch junge Fachverband Medienabhängigkeit hat in Deutschland die Anerkennung der Computerspielsucht als Krankheit gefordert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) müsse die Abhängigkeit von Computerspielen in das international gültige Verzeichnis der Erkrankungen aufnehmen, sagte Verbandsvorstand Bert te Wildt am Freitag beim ersten Symposion der Organisation in Hannover. Bei der Behandlung der Computerspielabhängigen sei man bisher auf das Wohlwollen der Krankenkassen angewiesen, es gebe jedoch keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten.
"Einengung des gesamten Verhaltens"
Auf dem Symposion in Hannover entwickelte der Verband Kriterien, um die krankhafte Online-Sucht vom normalen Spiel am Computer abzugrenzen. Nach Angaben des Psychiaters Te Wildt sind Süchtige durch eine "Einengung des gesamten Verhaltens und Denkens auf das Computerspiel" gekennzeichnet.
Sie haben zudem Entzugserscheinungen, wenn sie nicht spielen können und vermögen die am Computer verbrachte Zeit nicht mehr zu kontrollieren. Nach einiger Zeit müssten sie immer mehr spielen, um den gleichen Befriedigungseffekt zu erreichen, sagte der Psychiater von der Medizinischen Hochschule Hannover.
Befriedigung nur über das Spiel
Ein weiteres Kennzeichen der Computerspielsucht sind Te Wildt zufolge negative Konsequenzen für den eigenen Körper, für Familie und Partnerschaft sowie für Ausbildung und Beruf. Abhängige vernachlässigten andere Interessen und litten unter einer "dysfunktionalen Affektregulation": Sie könnten nur noch über das Spiel Befriedigung erlangen.
An dem zweitägigen Symposion in Hannover nahmen nach Angaben des Verbandes 40 auf Computerspielsucht spezialisierte Berater, Therapeuten und Wissenschaftler teil. Im Juni forderten auch in Österreich Psychologen der Sigmund-Freud-Privatuniversität Wien, dass Computerspielsucht als Krankheit betrachtet werden soll.
(AP)
