Navigationssystem für Gebäude in Arbeit
Der europäische Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern EADS arbeitet an einem System zur genauen Positionsbestimmung in Gebäuden, Kellern und sogar Bergwerksschächten.
In Gebäuden mit bis zu fünf Stockwerken und einem Kellergeschoß funktioniere die "Indoor-Navigation" bereits, sagte der für den Bereich Navigation zuständige Geschäftsführer von EADS Astrium, Reinhold Lutz, diese Woche bei einer Präsentation in München. Sie soll in etwa zwei Jahren marktreif und dann zum Preis von rund 30.000 Euro zu haben sein.
Sinnvoll bei großer Rauchentwicklung
Als Kunden hat EADS vor allem Feuerwehr, Rettungsdienste und Spezialeinheiten von Polizei und Militär im Auge. Das System könne beispielsweise Feuerwehrleuten helfen, die sich bei Bränden in dichtem Rauch orientieren müssen, sagte Lutz. Auch die Ortung und Bergung verletzter Kollegen sei so möglich. "Das Problem der konventionellen Navigation ist, dass sie nur außerhalb von Gebäuden funktioniert." Auch vorinstallierte Ortungssysteme brächten oft wenig, da sie beispielsweise bei Bränden leicht ausfielen.
Das EADS-Konzept sieht vor, rund um ein Gebäude mindestens vier mobile Transmitterstationen aufzustellen. Das funktioniert laut EADS derzeit bis zu einer Entfernung von 100 Metern vom Gebäude. Die Einsatzkräfte im Inneren tragen einen Empfänger bei sich, über den ihre Position bestimmt wird. Das Signal wird an einen tragbaren Computer außerhalb übertragen. Dort kann ein zwei- oder sogar dreidimensionaler Grundriss des Gebäudes hinzugefügt werden, um die genaue Position anzuzeigen.
Ganze Ortschaften können abgedeckt werden
Das neue System sei in kurzer Zeit an jedem Ort aufgebaut, sagte Projektleiter Andreas Lermann. Mit ihm lasse sich die Position eines Menschen in einem Gebäude bis auf einen Meter genau bestimmen. Ziel sei, die Reichweite des Systems auszuweiten. So könnten künftig nicht nur einzelne Gebäude, sondern auch ganzen Häuserblocks oder kleine Ortschaften abgedeckt werden.
Auch ein späterer Einsatz in Bergwerken, beispielsweise bei der Suche nach Opfer von Grubenunglücken, sei denkbar, so der Projektleiter. Die Transmitter müssten dann nur im Untergrund installiert werden. Der Empfänger ist allerdings noch reichlich unhandlich. Bisher hat er die Größe eines Wanderrucksacks. "Die Hauptarbeit wird sein, den Empfänger auf Handygröße zu bringen", räumte Lermann ein. "Aber das ist machbar."
(APA/dpa)
