© Bild: ZVG, Masten mit Überwachungskameras

GB: Videoüberwachung als Online-Game

KONTROLLE
06.10.2009

Eine britische Firma will mit einem Spiel Internet-User als Kontrolleure für Überwachungskameras rekrutieren. Datenschützer warnen davor, dass Diebe das System dazu nutzen könnten, ihre Opfer bequem auszuforschen.

Wie die britischen Medien "Daily Telegraph" und "The Register" berichteten, möchte das Unternehmen Internet Eyes aus Stratford-upon-Avon Internet-Nutzer dazu bringen, im Rahmen eines Spiels vernetzte Überwachungskameras zu bedienen und dabei beobachtetes kriminielles Verhalten zu melden.

Das von dem Geschäftsmann Tony Morgan erdachte Modell funktioniert folgendermaßen: Ladeninhaber oder Privatleute zahlen 20 Pfund im Monat, um ihre Überwachungskameras mit dem System von Internet Eyes zu verbinden. Um sicherzustellen, dass auch jemand die von den Kameras gelieferten Videostreams betrachtet, rekrutiert Internet Eyes Menschen mit Netzanschluss und sehr viel Zeit, die sich in die Streams einloggen können und Punkte und Geld bekommen, wenn sie via Internet oder SMS Vorfälle an die Eigentümer der Kameras melden.

Punkte für jeden Verdacht

Für jeden gemeldeten Verdacht, der sich als begründet erweist, bekommen die User einen Punkt. Drei Punkte erhalten sie, wenn sie einen Verbrecher in flagranti ertappen. Für Falschmeldungen gibt es Punkteabzug. Die oberen Plätze der dadurch generierten Rangliste sind mit bis zu 1.000 Pfund monatlich dotiert. Jeder registrierte User hat drei kostenlose SMS-Nachrichten im Monat frei, die er dazu nutzen kann, seine Beobachtungen zu versenden.

Morgan wirbt bei Geschäftsleuten damit, dass Internet Eyes schneller reagieren könne als die Polizei und damit Verbrecher effizienter abschrecke als Kameras, von denen man mittlerweile ausgehen könne, dass sie nicht besetzt seien. Er plant, die angeschlossenen Geschäfte mit entsprechenden Hinweisschildern auszustatten. In Großbritannien sind rund vier Millionen Überwachungskameras installiert. Viele davon sind bereits ans Internet angeschlossen.

Kameras für Diebe

Das neue System soll im November zunächst in Stratford-upon-Avon in Betrieb gehen. Morgans Projekt ist eine Reaktion auf die Feststellung von Scotland Yard vom Mai, dass Verbrecher sich kaum mehr von den Kameras abschrecken ließen, weil sie wüssten, dass der Polizei das Personal zur Auswertung der Bilder fehle. Missbrauch des Systems will Internet Eyes dadurch stoppen, dass die User ihrerseits von Administratoren überwacht werden, die Falschmeldungen ahnden.

Der "Telegraph" zitierte Charles Farrier, Sprecher von No-CCTV, einer Bürgerinitiative gegen Überwachungskameras, der befürchtet, dass die vernetzten Kameras auch von Kriminiellen benutzt werden könnten, um Ziele auszuspionieren. Zudem beklagte Farrier die weitere Erosion der Privatsphäre. Internet Eyes zeigte sich von der Kritik nicht beeindruckt und hofft darauf, auch die offiziellen Polizeikameras bald in sein privates System einbinden zu können.

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