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Schnäppchenjagd in Krisenzeiten

START-UP-GESCHICHTEN
04.11.2009

Die vor kurzem gestarteten österreichischen Start-ups Dealhamster und vooch bieten im Netz und am Mobiltelefon Gutscheine für Schnäppchenjäger an. Die Wirtschaftskrise kommt den beiden jungen Unternehmen aus Wien dabei durchaus zugute.

"In den USA sind Coupons und Gutscheine ein riesiges Thema", erzählt Stefan Kalteis. Schüsseln mit Coupons würden sich in vielen Haushalten finden. "Bevor die Leute etwas kaufen, schauen sie nach, ob ein Gutschein dazu vorhanden ist oder ob sie im Internet eine Promocode finden", so Kalteis. Der Geschäftsführer der Ende September gestarteten Gutscheinplattform Dealhamster ist überzeugt, dass sich auch in Europa die Mentalität in diese Richtung entwickelt.

Die Wirtschaftskrise ist an der steigenden Nachfrage nach Gutscheinen aller Art nicht ganz unbeteiligt. "Die grundlegende Tendenz war schon in den letzten Jahren da, das Wachstum auf dem Gutscheinmarkt ist jetzt aber ein bisschen steiler geworden", erzählt Kalteis.

Stefan Kalteis (im Bild rechts) und Eric Pfarl von Dealhamster.

Gutscheinsuchmaschine

Dealhamster sammelt Angebote aus dem Netz und will so viele Gutscheine wie möglich auffindbar machen. Es gebe zwar zu allen möglichen Kategorien massenweise Gutscheine, Sammelstellen seien jedoch rar, so Geschäftsführer Kalteis. Auch Nutzer und Unternehmen werden animiert, Gutscheine auf die Seite zu laden.

Mit knapp drei Millionen verfügbaren Gutscheinen zu Produkten und Dienstleistungen in 15 Produktkategorien ist das Wiener Start-up nach eigenen Angaben bereits jetzt die größte Gutscheinplattform im deutschsprachigen Raum. "Man sucht bei uns nach Produkten und findet dazu passende Gutscheine", beschreibt Kalteis das Dealhamster-Konzept.

Kontextsuche

Bei der Suche nach Gutscheinen kommt eine semantische Technologie zum Einsatz, die in dem umfassenden Produktkatalog nach interessanten Angeboten für die Nutzer fischt. "Wenn jemand etwa nach einem Reiseführer sucht, könnte es für ihn auch interessant sein, einen Urlaubsgutschein zu bekommen", so Dealhamster-Projektleiter Eric Pfarl. Auch die geografische Position der Nutzer wird bei der Auswahl der Gutscheine berücksichtigt.

Die Technologie, auf der die semantische Suche basiert, ist bereits erprobt und stammt zu guten Teilen von der Personensuchmaschine 123people, die ebenso wie Dealhamster vom Wiener Inkubator i5invest entwickelt wurde.

Die vooch-Gründer: Tobias Hann (links) und Michael Meier.

Gutscheine in der Umgebung

Die Wirtschaftskrise habe sicherlich damit zu tun, dass die Leute wieder stärker auf ihre Ausgaben achten, meint auch Tobias Hann von vooch. Das gemeinsam von Hann und seinem Partner Michael Meier Anfang des Jahres gegründete Start-up bietet seit Mitte Juni Gutscheine am Handy an.

Vorerst konzentriert sich der Dienst auf den Raum Wien. Applikationen werden derzeit für das IPhone, Windows-Mobile-Geräte und Android-Geräte angeboten. Daneben werden Java-kompatible Handys unterstützt.

Bisher registrierten sich rund 2.700 Nutzer bei vooch. Sie werden via Mobiltelefon auf Gutscheinaktionen in ihrer Umgebung aufmerksam gemacht. Aktivierte Gutscheine können an Ort und Stelle am Handy präsentiert und eingelöst werden. Das Mobiltelefon wird zum Gutscheinheft.

"Intelligentere Werbung"

Mit ihrem mobilen Angebot wollen Hann und Meier vor allem Werbetreibenden die Möglichkeit bieten, "intelligenter" zu werben, Streuverluste zu minimieren und die Einlösrate für Gutscheine zu erhöhen. Die gezielte Platzierung von Gutscheinen sei letztlich auch kostengünstiger, so Hann: "Verrechnet wird pro aktiviertem Gutschein."

Rund 70 Gutscheinkampagnen wurden in knapp vier Monaten über vooch bereits abgewickelt. 20 Unternehmen - vom Cafe bis zum Schuhgeschäft - speisten ihre Gutscheine in das mobile System ein.

"Interesse an Produkten"

"Bei anderen Werbeformen muss man den Kunden dazu bringen, Interesse für das Produkt zu entwickeln. Wenn er nach Gutscheinen sucht, hat er es schon", meint Dealhamster-Geschäftsführer Kalteis. Er setzt mit seinem Start-up auf Quantität und ein umfassendes Angebot: "Wir müssen nicht mit jedem Gutschein etwas verdienen."

Neben aus dem Netz gesammelten und von Kunden und Unternehmen hochgeladenen Rabattcoupons bietet Dealhamster Unternehmen gegen Bezahlungen zusätzliche Features, etwa bei der Gestaltung und Positionierung der Gutscheine. Kunden akquiriert das Unternehmen vorerst hauptsächlich in Österreich und Süddeutschland. In Berlin wird derzeit nach einem Partner gesucht. Abgerechnet wird auch bei Dealhamster nach eingelösten Gutscheinen.

Zur Verbreitung der Gutscheine setzt das Start-up auch auf die Zusammenarbeit mit Medienpartnern. Dort werden relevante Gutscheine passend zu Artikeln angeboten. In 18 Monaten soll sich das Projekt nach Angaben der Gründer rechnen. Derzeit arbeitet ein Team von sechs Leuten an der Gutscheinseite.

Investorensuche bei vooch

In eineinhalb Jahren will auch vooch, bei dem die beiden Gründer von vier Freelancern im Entwicklungsbereich unterstützt werden, die Gewinnschwelle erreichen. Die internationale Expansion ist bei dem mobilen Start-up ebenso Thema.

Zunächst möchte man aber den Dienst weiterentwickeln. So soll etwa das Empfehlungssystem verfeinert und das Gutscheinangebot ausgebaut werden, kündigt Hann an. Für Weiterentwicklung und Expansion sucht vooch auch Investoren. Gespräche mit Interessenten gebe es bereits, so der Gründer.

Serie

Im Rahmen der Serie "Start-up-Geschichten" berichtet futurezone.ORF.at in loser Folge über innovative Web- und IT-Unternehmen mit Österreich-Bezug.

"Stark wachsender Markt"

Beide Start-ups dürften in den kommenden Jahren genug zu tun haben. Einschlägige Studien gehen von Zuwächsen auf dem Gutscheinmarkt auch in Europa aus. "Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund acht Milliarden Coupons verteilt. Die Tendenz ist weiter steigend", so Kalteis unter Verweis auf Markterhebungen: "Es wird wahrscheinlich nie so werden wie in den USA, aber es ist ein stark wachsender Markt."

(futurezone/Patrick Dax)