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Geld her, oder ich klicke

NETZTEILE
03.10.2009

Schluss mit Gratisinhalten, kostenlosen Downloads und spottbilligen Flatrates: Nach der Wirtschaftskrise muss jeder wieder ordentlich Geld verdienen. Jetzt wird abgerechnet im Internet. Und wir wissen auch schon, wie.

In Atlanta gibt es zwei wichtige Unternehmen. Das eine macht aus Wasser, Zucker, Kohlensäure und einer spaßigen Zutat nach Formel X eine Wachermacherbrause. Das andere fabriziert Nachrichten. CNN ist gut bei Kasse und erfreut sich eines relativ konstanten Aktienkurses.

Aber was gut ist, kann ja besser werden. Also hat man jetzt in der Online-Abteilung beschlossen, für großartige Wetterberichte und Korrespondenten, die mit dem Mikro vor brennenden Häusern stehen, Geld zu verlangen. Da kam das iPhone gerade recht. Die iPhone-Applikation von CNN kostet also von jetzt an Geld. Die Anwendung an sich - die Nachrichten darüber sind wertfrei wie auch sonst.

Schließlich hat Apple stolz gemeldet, dass App-Store-Download Nummer zwei Milliarden erfolgreich abgeschlossen wurde. Ab jetzt sind die Schleusen offen. Vermutlich wird Nintendo im Oktober folgen. Dann ist Schluss mit Speck am Becken und kostenlosem Herumspielen. Die neue Hampelmaschine wird hoffentlich mit einem Bewegungszähler auf den Markt kommen. Dann zahlt Dickerchen für sein Gefuchtel nach Metern. Das Internet rechnet ab. Sehr schön. Wer schlank sein will, soll zahlen. Für das Fettwerden hat er ja auch eine Menge Geld hingelegt.

Fangen wir aber klassisch an. Wer immer noch kein Geld via Internet verdient hat, der kann jetzt dank Sony sein eigenes Buch publizieren. Die Zeiten der Website für Mama und die Tante sind vorbei. Von jetzt an hat die Familie das Erinnerungsalbum "So schön war mein fünftes Lebensjahr" gefälligst zu kaufen. Über das Internet, versteht sich.

Während Kleinkinder und wahnwitzige Businesspläne fröhlich weiter in den Himmel wachsen, etablieren sich alternative Formen des Messens. Auch Online hat das schon mal funktioniert, denn früher war ja alles besser. Da gab es beim Nachbarn zum Beispiel bereits BTX, das schon den Preis pro Seite kannte. Angesichts dessen machen sich doch Bezahlmodelle von Google für ein paar läppische Links eher anfängerhaft aus. Das Internet ist teuer, also braucht es Geld und eine freundliche Fleischhauerfachkraft, die neben der Maus steht und einen fragt: Darf es denn noch ein Seiterl mehr sein? Soll ich Ihnen die Datei entpacken oder lesen Sie sie zu Hause?

Das ist die Zukunft. Her mit dem Geld! Absurde Kostenlos-Theorien kann man getrost vergessen.

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(Harald Taglinger)