Wuehltisch™ by Google
Wie ein Stier rennt Microsoft mit Bing Marktanteilen bei den Suchmaschinen nach. Dabei hat der Altmonopolist das Businessmodell des Erzkonkurrenten Google immer noch nicht verstanden.
Dienstagnachmittag zischten in Building 24 in Redmond zwei Piccolo-Verschlüsse. Rentner Bill trinkt sonst nie, sein Kumpel Steve nur ganze Fässer, aber zur Feier des Tages ließ man es mal so richtig krachen und warf kichernd mit Erdnussflips nach dem Reinigungspersonal.
Bing, die Suchmaschine mit dem täglich wechselnden Bild, hat sage und schreibe 0,4 Prozent Marktanteil bei den Suchmaschinen gutgemacht. Und das in den USA! Die Freude kennt keine Grenzen mehr, bald ist Google am Ende, rechnerisch in schon weniger als zehn Jahren. Wenn es so weitergeht wie in den USA. Zisch, Prost.
Nun, wenn man die Reaktion auf der anderen Seite des Marktes googelt, kann man den Ernst der Lage nicht ganz wiedergegeben finden. Es ist Google einfach egal, man hat ja eh etwas anderes vor, aber nicht weitersagen.
Unter der Marke mit dem sehr stylishen Wort Wuehltisch™ hat die Firma mit den bunten Bällen nun beschlossen, Phase zwei des Geschäftsmodells zu zünden, das derzeit noch mit einer Undercover-Website arbeitet.
Dahinter steckt der Masterplan, denn ab jetzt wird der Ausverkauf des Internets betrieben. Und zwar so billig, so dass der 10. Bezirk geschlossen den Kopf schüttelt. Ab sofort gibt es nicht einfach nur den Internet Explorer umsonst, man bekommt dank Google zwei Browser für die Null-Euro-Flatrate von einem.
Aber das kennt man ja von Unix, das sich bei Apple auch gern mal Mac OS nennt. Oder von Windows Vista, das kostenloses Kopfschütteln mitliefert. Ebenfalls diese Woche startet Google eine Ramschaktion, bei der übrig gebliebener Werbeplatz (ja, meine Lieben, so weit ist es mit dem Internet und seinen Suchmaschinen schon gekommen ...) neue Besitzer finden soll. Und das mit Hilfe von Profilen aller Google-User.
Denn wer sonst weiß schon, warum ich mich heute für Prosecco und gleich auch noch für Stadtbüchereien interessiere. Und weil man schon so mittendrin im Verscherbeln ist, sollen in Zukunft auch noch alle alten Bücher nachgedruckt und verkauft werden. Nicht lustig für die Bosse von Microsoft, die gerade beschlossen hatten, die Stadtbücherei von Seattle nicht mehr zu unterstützen. Aber so macht man eben im 21. Jahrhundert nach einer mittleren Finanzkrise Geld. Nicht mit Software oder ... kicher! ... Suchmaschinen.
Ach ja: Gestern hat sich ein Bote beim Empfang von Building 24, Redmond, gemeldet und soll eine Torte mit folgender extradicker Sahneaufschrift "Für die Herren von Bing" abgegeben haben: "Erst wenn das letzte Sonderangebot geplündert ist, werdet ihr sehen, dass man Suchmaschinen nicht essen kann."
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(Harald Taglinger)
