© Fotolia/Berchtesgaden, Ausgebleichte englische Flagge

Musiker gegen Netzsperren

GB
10.09.2009

Prominente britische Musiker haben sich gegen Netzsperren für Internet-Nutzer nach wiederholten Urheberrechtsverletzungen ausgesprochen und die britische Regierung aufgefordert, entsprechende Pläne fallenzulassen.

"Wir wollen uns unsere Fans nicht zu Feinden machen", sagte Dave Rowntree, Schlagzeuger der Britpop-Band Blur, zur BBC. Rowntree ist ebenso wie zahlreiche andere prominente britische Musiker - darunter Ed O'Brien von Radiohead, Nick Mason von Pink Floyd und Billy Bragg - Mitglied der britischen Featured Artists Coalition (FAC).

Die FAC veröffentlichte am Donnerstag ein gemeinsames Statement mit der British Academy of Songwriters, Composers and Authors und der Music Producers Guild, in dem sich die Interessenvertretungen vehement gegen die von der britischen Regierung geplanten Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen in Online-Tauschbörsen richten.

"Interesse an Musik"

Filesharing zeuge auch von großem Interesse an Musik, sagte Rowntree. Das sollte nicht zerstört werden, so der Blur-Drummer zur BBC. Viele jungen Leute würden Musik über Filesharing-Netzwerke kennenlernen, sagte Bragg: "Sie zahlen zwar nichts für die Songs, kaufen sich aber Konzerttickets."

Die Musiker äußerten auch Zweifel an der Effektivität der geplanten Maßnahmen. Netzsperren könnten leicht umgangen werden, meinte Radiohead-Gitarrist O'Brien zur BBC: "Sie werden nicht funktionieren." Die Interessenvertretungen der Musiker und Komponisten forderten die britische Regierung auf, anstatt Fans zu bestrafen, neue Geschäftsmodelle zu fördern.

Opposition zu Industrieverbänden

Mit ihrer Initiative stellen sich die britischen Künstler auch gegen den Verband der britischen Musikindustrie (BPI). Der macht sich für die geplanten Netzsperren stark, allerdings als "letztes Mittel", wie BPI-Chef Geoff Taylor gegenüber der "Times" betonte.

Die britische Regierung hatte in einer Ende August veröffentlichten Erklärung vorübergehende Netzsperren und die Drosselung der Internet-Anbindung für Nutzer vorgeschlagen, die trotz mehrmaliger Verwarnung Urheberrechtsverletzungen im Netz begehen. Die Sperren sollen laut dem Regierungsvorschlag auf Anordnung des zuständigen Ministeriums von der Regulierungsbehörde Ofcom veranlasst werden.

In Frankreich wurde ein bereits beschlossenes Gesetz zu Netzsperren vom Verfassungsgericht gekippt, weil die Einbeziehung eines Richters nicht vorgesehen war. Nun soll ein Richter im Schnellverfahren über Netzsperren entscheiden. Ein Votum zu dem Gesetz in der französischen Nationalversammlung wurde zuletzt auf September verschoben.

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